Slide Slide Slide

Liebe Patienten und Patientinnen, liebe Ärzte und Ärztinnen,

 

auf den untenstehenden Seiten haben wir für Sie zahlreiche Informationen rund um das Thema “Barrett” zusammengestellt.

Für Patienten vor allem, um das Wissen um die Krankheit “Barrett-Ösophagus” und “Barrett-Karzinom” zu verbessern. Hierzu ist unser speziell entwickeltes Lernprogramm besonders gut geeignet.

Für Ärzte, um aktuelle Forschungsergebnisse der eigenen Forschungsgruppe und aus der internationalen Literatur zu präsentieren und in einem jeweils angehängten Kommentar diese wissenschaftlichen Arbeiten in ihren wesentlichen Aussagen – auch hinsichtlich ihres Bezuges zur ärztlichen Praxis – zusammen zu fassen.

Viel Freude beim Studium unseres Infoportals. Für Anregungen zur Weiterentwicklung des Portals sind wir dankbar.

INFO-PORTAL

Liebe Patientin, lieber Patient,

bei Ihnen wurde eine Erkrankung der Speiseröhre (Ösophagus) diagnostiziert.

Ausgehend von einer sog. Refluxkrankheit hat sich ein Barrett-Ösophagus (Barrett-Syndrom der Speiseröhre) entwickelt.

Eine Refluxkrankheit ist durch einen übermäßigen Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre gekennzeichnet – mit dem typischen Symptom “Sodbrennen”. Häufig entwickelt sich daraus eine Entzündung der Speiseröhre (Reflux-Ösophagitis).

Als Komplikation dieser Erkrankung kann sich im magennahen Anteil der Speiseröhre sog. Barrett-Schleimhaut entwickeln. Das bedeutet, dass sich unter dem Einfluss des Mageninhaltes dort eine Art von Schleimhaut entwickelt, die normalerweise nicht in der Speiseröhre vorkommt, sondern im Dünndarm. Diese Veränderung bezeichnet man als “intestinale Metaplasie”.

Diese eigentlich ortsfremde Schleimhaut kann sich von wenigen Millimetern bis zu einigen Zentimetern in der Speiseröhre ausdehnen und hat eine besondere Eigenschaft : gegenüber der “normalen Schleimhaut” erhöht sich das Risiko für einen Krebs der Speiseröhre. Nicht jeder Reflux-Patient mit Barrett-Schleimhaut bekommt Speiseröhrenkrebs (medizinisch : Ösophagus-Karzinom), aber das Risiko ist eindeutig gegenüber Patienten ohne Barrett-Schleimhaut erhöht (etwa 2-4 von 100 Patienten mit Barrett-Schleimhaut entwickeln in ihrem weiteren Leben Speiseröhren-Krebs).

Mit einer Magenspiegelung (Gastroskopie) kann festgestellt werden, ob eine Entzündung der Speiseröhre besteht und ob sich schon Barrett-Schleimhaut gebildet hat. Die Diagnose wird letztlich vom Pathologen gestellt, der winzige Gewebeproben untersucht, die bei der Magenspiegelung aus auffällig veränderten Bezirken der Schleimhaut in der unteren Speiseröhre entnommen werden. Die Gewebeuntersuchung (Histologie) klärt auch, ob sich schon eine Entwicklung in Richtung Krebs anbahnt (Nachweis von sog. Dysplasien).

In der Regel ist es wohl so, dass Krebs (sog. Adenokarzinom) aus Barrett-Schleimhaut über Vorstufen (Dysplasien) entsteht. Dadurch hat man die Möglichkeit, krebsgefährdete Schleimhaut frühzeitig zu erkennen und noch vor der Entstehung von Krebs zu entfernen (meist ist das im Rahmen einer Magenspiegelung durch Entfernung verdächtiger Schleimhautanteile mit einer Schlinge möglich, in selteneren Fällen ist eine Operation erforderlich). Hat sich bereits einmal in einer Barrett-Schleimhaut eine Dysplasie entwickelt, gibt es heute moderne Verfahren, mit denen bei solchen besonders gefährdeten Patienten die gesamte Barrett-Schleimhaut bei einer Gastroskopie entfernt werden kann (sog. Radiofrequenz-Ablation).

Erfahren Sie also nach einer Magenspiegelung, dass bei Ihnen Barrett-Schleimhaut nachgewiesen wurde, sollten Sie sich bei Ihrem Arzt erkundigen, welche Konsequenzen dieser Befund für Sie hat. Auf jeden Fall wird nach einem gewissen Zeitabstand nochmals eine Magenspiegelung mit erneuter Entnahme von Gewebeproben erforderlich werden. Wann und wie oft solche Kontrollen notwendig sind, wird Ihnen Ihr Arzt in einem Gespräch mitteilen.

Die dabei empfohlenen Kontrolluntersuchungen sollten Sie in Ihrem eigenen Interesse unbedingt durchführen lassen, weil Sie auf diesem Wege das Risiko deutlich reduzieren können, an einem Krebs der Speiseröhre zu erkranken.

Zu weiteren und ausführlichen Informationen zum Barrett-Ösophagus verweisen wir auf unser Lernprogramm.

Barrett-Seminar für Patienten

 

Vorbemerkung

Das nachfolgende “Barrett-Seminar für Patienten” dient ausschließlich zu Ihrer Information.
Es können nur einige wesentliche Aspekte der dargestellten Krankheiten und ihrer Behandlung angesprochen werden. Insofern ist die Darstellung unvollständig.
Es handelt sich nicht um Behandlungsvorschläge.
Wir informieren Sie; die notwendigen Untersuchungen und Behandlungen können aber nur von Ihrem behandelnden Arzt erläutert und verantwortlich durchgeführt werden.
Unsere nachfolgenden Informationen stellen also keine Grundlage für Ihre Behandlung dar und insofern kann von uns keinerlei Haftung übernommen werden.

 

 

Liebe Patientin, lieber Patient,

verbessern Sie Ihr Wissen zu Ihrer Krankheit “Barrett-Syndrom” (Barrett-Ösophagus).

Hierzu haben wir ein Lernprogramm entwickelt.
Es wird Sie in mehreren Schritten mit dieser Erkrankung vertraut machen und es Ihnen ermöglichen, selbst bei der notwendigen Überwachung der Krankheit und bei der Behandlung mitzuwirken.

Viel Spaß beim Lesen und Lernen !

Reflux - gar nicht schlimm ?

Refluxbeschwerden : das kennt fast jeder. Wer hat nicht schon einmal nach einer umfangreichen, abendlichen Mahlzeit Probleme mit Sodbrennen und Aufstoßen und Druckgefühl im Oberbauch gehabt ? Ein paar Schlucke Wasser trinken, sich hinlegen …… und innerhalb kurzer Zeit verschwinden die Beschwerden wieder.

Das zeigt : Reflux, also der Rückfluss von Mageninhalt bis in die Speiseröhre und teilweise bis in den Mund – das allein ist noch keine Krankheit, sondern das ist ein Phänomen, das ohne Weiteres bei Gesunden auftreten kann und keine gesundheitlichen Folgen nach sich ziehen muss.

Ganz anders ist die Situation bei Reflux-Patienten, also bei Menschen mit einer Refluxkrankheit. Bei diesen Menschen treten Refluxbeschwerden sehr häufig auf, nämlich mit einer Frequenz von mindestens 3mal pro Woche bis zu mehrfach täglich, teilweise auch nachts. In diesen Fällen ist Reflux dann wirklich eine Krankheit, weil die Lebensqualität oft ganz erheblich beeinträchtigt wird. Zusätzlich zu unangenehmem Aufstoßen kommt es häufig zu starkem Sodbrennen. Hierunter versteht man nicht nur einen sauren oder bitteren Geschmack im Mund, sondern teilweise auch einen brennenden Schmerz hinter dem Brustbein, der heftig sein kann, so dass der betroffene Patient oft befürchtet, eine Herzattacke zu haben (im englischen Sprachraum heißt Sodbrennen “heartburn” = Herzbrennen : das beschreibt die Art des Schmerzes sehr gut). Oft bestehen auch Schmerzen im Oberbauch nahe beim unteren Ende des Brustbeines.

Bei einer schwerwiegenden Refluxkrankheit können weitere Beschwerden hinzu kommen : häufiger Hustenreiz (typischerweise Räusper-Husten), Heiserkeit, Schluckstörungen bis zum Steckenbleiben von Speisen in der Speiseröhre.

Diese Beschwerden sind dann ausgesprochen belastend für den Patienten und führen ihn in der Regel zum Arzt, damit dieser Medikamente gegen die Beschwerden verschreibt. Aber damit ist es nicht getan.

Refluxbeschwerden, die länger als 4 Wochen anhalten, müssen sorgfältig abgeklärt werden !
Dazu muss eine endoskopische Untersuchung durchgeführt werden (sog. Gastroskopie), bei der mit einem flexiblen optischen Gerät (Endoskop) durch den Mund die Speiseröhre und der Magen ganz genau untersucht werden kann. Nur mit dieser Untersuchung kann man feststellen, wie gefährlich die Refluxkrankheit bei dem jeweiligen Patienten ist.
Geklärt wird dabei

• ob schon eine stärkere Entzündung vorliegt
• ob ein Zwerchfellbruch (sog. Hiatushernie) besteht und zum Reflux
beiträgt
• ob sich schon sog. Barrett-Schleimhaut entwickelt hat, die
langfristig das Risiko für einen Krebs der Speiseröhre erhöht
• oder ob sogar schon krebsverdächtige Veränderungen bestehen.

Also: bei länger bestehenden Refluxbeschwerden muss der Befund mit einer endoskopischen Untersuchung abgeklärt werden, um nicht eine möglicherweise schon bestehende gefährliche Veränderung in der Speiseröhre zu übersehen. Ein Arzt, der bei lange bestehenden Refluxbeschwerden einfach Medikamente verschreibt, aber nicht auf einer endoskopischen Untersuchung besteht, begeht einen – für den Patienten langfristig möglicherweise verhängnisvollen – Fehler.

AUF DEN PUNKT GEBRACHT :
Gelegentlicher Reflux ist meist gar nicht schlimm. Aber er kann sich zu einer Krankheit mit lange andauernden Beschwerden entwickeln – und dann ist Reflux wirklich schlimm und oft schmerzhaft. Dann muss geklärt werden, ob möglicherweise schon gefährliche Veränderungen in der Speiseröhre bestehen. Eine Endoskopie (Gastroskopie) ist dann unbedingt notwendig.

Refluxbeschwerden: viel mehr als Sodbrennen

“Typische” Refluxbeschwerden sind : 

  • Aufstoßen von Mageninhalt 
  • Aufstoßen von Luft 
  • Rückfluss von Mageninhalt (Säure, Galleflüssigkeit) bis in den Mund mit saurem oder bitterem Geschmack; Regurgitation : Rückfluss von Nahrung aus dem Magen 
  • Brennen im Bereich der Speiseröhre mit brennenden Schmerzen hinter dem Brustbein ( Abgrenzung gegen Herzschmerz oft schwierig ! ) 
  • Schmerz im Oberbauch unterhalb des unteren Endes des Brustbeines

Darüber hinaus gibt es aber zahlreiche Symptome, die ebenfalls Folge einer Refluxkrankheit sein können :

  • Halsschmerzen
  • Chronische Heiserkeit ( durch Reflux-Entzündung des Kehlkopfes )
  • Stimmstörungen durch Funktionsstörung der Stimmbänder
  • Chronischer Husten, vor allem als Räusperhusten
  • Chronische Bronchitis, selten Lungenfibrose
  • Schluckbeschwerden im Hals
  • Schluckbeschwerden durch Schmerzen beim Schlucken von Nahrung
  • Erosionen/Defekte des Zahnschmelzes im Bereich der Zahnhälse
  • Bei Kindern: Aspiration/Regurgitation von Säure/Nahrung in die Atemwege mit anschließender Lungenentzündung; Bronchialasthma; Nasennebenhöhlen-und Mittelohrentzündung

Bei diesen “extraintestinalen” (nicht direkt von der Speiseröhre ausgehenden) Beschwerden ist häufig, aber bei weitem nicht in allen Fällen ein Zusammenhang mit Reflux nachzuweisen.
Eine Abklärung und ein Behandlungsversuch müssen deshalb individuell für Patienten geplant werden.

Siehe dazu unter Kapitel und 4.

Refluxkrankheit: welche Untersuchungen?

Die Diagnostik bei Refluxbeschwerden sollte stufenweise erfolgen. Nicht bei jedem Patienten sind alle diagnostischen Verfahren notwendig.

Ziel der Diagnostik ist es

  • die richtige Diagnose zu stellen
  • zu klären, ob die Beschwerden des Patienten tatsächlich durch die Diagnose erklärt werden
  • zu klären, ob und in welchem Umfang die Erkrankung zukünftig überwacht werden muss
  • die geeignete und wirksame Therapie vorzuschlagen
  • Veränderungen nachzuweisen oder auszuschließen, die schon Krebs sind oder ein hohes Risiko für zukünftigen Krebs bedeuten

Folgende diagnostischen Verfahren werden eingesetzt:

1. Anamnese
Die Vorgeschichte des Patienten/der Patientin wird erfragt, z.B.: wie oft besteht Reflux ? Auch nachts ? Bestehen Schluckstörungen ? Bestehen Warnzeichen ( Essen bleibt stecken; Blutarmut ).
Welche Medikamente werden eingenommen ?

2. Endoskopie
Das ist die wichtigste diagnostische Maßnahme bei andauernden Refluxbeschwerden. Mit einem biegsamen optischen Gerät (Endoskop, in diesem Falle Gastroskop) kann die Speiseröhre von innen angeschaut und können winzigste Veränderungen der Schleimhaut festgestellt werden. Eine stärkere Entzündung (erosive Refluxösophagitis) kann ebenso sicher erkannt werden wie beginnende oder schon fortgeschrittene bösartige Veränderungen.
Auch ein Vielzahl anderer Fragen kann durch die Endoskopie (Magenspiegelung) beantwortet werden; so kann z.B. eine allergische Entzündung geklärt werden. Definitiv geschieht das durch die mikroskopische Untersuchung von Gewebeproben, die regelmäßig bei der Endoskopie entnommen werden.
Damit die Untersuchung für den Patienten nicht unangenehm ist, wird sie in aller Regel unter Sedierung (sog. “Schlafspritze”) durchgeführt.

3. pH-Metrie und pH-Metrie mit Impedanzmessung
Mit diesen Verfahren wird untersucht, in welchem Umfang (Zeit und Volumen) Mageninhalt in die Speiseröhre zurück fließt. Diese Untersuchungen werden z.B. dann eingesetzt, wenn ein Patient erhebliche Refluxbeschwerden hat, aber bei der Endoskopie kein Befund entdeckt wird, der diese Beschwerden erklärt.
Auch bei möglicherweise durch Reflux ausgelösten Beschwerden außerhalb der Speiseröhre (z.B. lange anhaltender Husten, für den keine sonstige Erklärung gefunden wird) setzt man diese Verfahren ein.
Die gennannten Untersuchungen machen das Schlucken einer Sonde erforderlich, die mit Sensoren versehen ist, die in verschiedenen Abschnitten der Speiseröhre das Vorhandensein von Säure (oder Galleflüssigkeit) registrieren.
Das moderne Verfahren der pH-Metrie kombiniert mit Multikanal-Impedanzmessung (MII) ermöglicht nicht nur die Messung des pH-Wertes in der Speiseröhre, sondern auch von Bewegungen von Säure, Luft und Nahrung in der Speiseröhre, was Rückschlüsse auf eine möglicherweise gestörte Funktion des Organs zulässt.

4. Manometrie
Die Druckmessung in der Speiseröhre kommt in der Diagnostik von Reflux nur ausnahmsweise zum Einsatz. Beispielsweise dann, wenn Reflux und unklare Schmerzen hinter dem Brustbein bestehen, die möglicherweise mit Verkrampfungen der Muskulatur der Speiseröhre zusammen hängen (Ösophagus-Spasmen).
Das Verfahren wird auch eingesetzt, um eine Störung des unteren Speiseröhren-Schließmuskels auszuschließen (sog. Achalasie) und vor einer geplanten Anti-Reflux-Operation.

5. Röntgen (Ösophagus-Breischluck)
Wird heute nur noch in ganz seltenen Fällen eingesetzt. Eine gewisse Bedeutung hat aber eine Funktionsdiagnostik mit Röntgenaufzeichnung bei Schluckbeschwerden, die durch Störungen im Bereich des Speiseröhren-Einganges ausgelöst werden.

6. Schluckzentrum
Bei einigen wenigen Patienten können bestehende Refluxbeschwerden trotz umfangreicher Diagnostik nicht geklärt und/oder nicht effektiv behandelt werden.
In diesen Fällen empfiehlt sich die Vorstellung des Patienten in einem spezialisierten “Schluckzentrum”, wo alle Befunde nochmals ausgewertet, evtl. ergänzt und eine Stellungnahme durch Fachärzte verschiedener medizinischer Fächer eingeholt wird.

Auskunft hierzu erhalten Sie von Ihrem Gastroenterologen.

Refluxkrankheit: welche Behandlung?

Refluxkrankheit: welche Behandlung?

In der Regel wird die Refluxkrankheit mit Medikamenten behandelt.
Ziel der Behandlung ist eine weitgehende Beschwerdefreiheit und damit die Wiederherstellung der durch Refluxbeschwerden eingeschränkten Lebensqualität. Auch sollen Komplikationen einer schweren Refluxkrankheit (z.B. Blutung oder narbige Einengung = Stenose der Speiseröhre) verhindert werden.

Medikamente zur Behandlung der Refluxkrankheit

1. Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI)
Medikamente, die die Säurebildung in den sog. Belegzellen der Magenschleimhaut reduzieren (z.B. Omeprazol, Pantoprazol, Lansoprazol, Es-Omeprazol, Rabeprazol). Diese Medikamentengruppe stellt heute die Standardbehandlung bei Refluxbeschwerden dar. Zum Erreichen von Beschwerdefreiheit sind bei verschiedenen Patienten unterschiedliche Dosierungen notwendig. Daher wird heute in der Regel die Behandlung mit einer Standard-Dosis begonnen (z.B. 20 mg Omeprazol täglich). Diese Behandlung wird bis zur Beschwerdefreiheit durchgeführt. Dann kann langsam die Dosis reduziert werden bis zu einer Dosis, welche gerade noch dafür sorgt, dass keine nennenswerten Beschwerden mehr auftreten. Viele Patienten führen erfolgreich eine Intervalltherapie durch (Einnahme z.B. jeden zweiten Tag), bei manchen Patienten ist sogar eine Einnahme nach Bedarf ohne festes Schema ausreichend.

Falls die Standard-Dosis nicht ausreicht, um die Beschwerden zu beseitigen, kann die Dosis vorübergehend verdoppelt werden. Ist auch hiermit Beschwerdefreiheit nicht zu erzielen, handelt es sich um eine ungewöhnliche Situation, die einer aktuellen Abklärung bedarf (nochmalige endoskopische Untersuchung; ph-Metrie; Ausschluss einer massiv erhöhten Säurebildung durch einen Tumor = Zollinger-Ellison-Syndrom; Ausschluss einer muskulären Störung der Speiseröhre durch eine Manometrie usw.).

Das Risiko für Nebenwirkungen unter einer PPI-Therapie ist insgesamt gering. Eine langzeitige Behandlung über Monate oder gar Jahre kann aber Nebenwirkungen verursachen (z.B. ein erhöhtes Risiko für eine Störung der normalen Bakterienbesiedlung im Dünn- und Dickdarm einschl. einer Infektion mit Clostridien). Auch Stoffwechselfunktionen (Vit. B12; Magnesium) können beeinflusst werden. Weitere Nebenwirkungen sind in der Diskussion.
Daher ist eine Langzeitbehandlung mit PPI immer wieder kritisch zu hinterfragen.

2. Antazida
Hierbei handelt es sich um Medikamente, die Magensäure direkt im Magen binden, indem sie die Säure praktisch “aufsaugen”. Diese Medikamente in Form von Kautabletten oder Gel haben eine spezielle Struktur mit einer großen Oberfläche, welche Magensäure, aber auch andere Bestandteile des Magensaftes an sich bindet (“puffert”). Das älteste und heute nicht mehr gebräuchliche Antazidum ist Natron.

Antazida (z.B. Magaldrat) werden von vielen Refluxpatienten bei Bedarf eingenommen; sie führen innerhalb von wenigen Minuten zu einer Linderung der Beschwerden. Für eine Dauerbehandlung sind sie nicht geeignet. Viele Antazida enthalten Aluminium-Salze, deren Nebenwirkungspotential kritisch gesehen wird.

3. Alginat
Die Ausgangssubstanz Alginsäure wird von Braunalgen gebildet. Alginate sind Gelbildner. Bei Kontakt des eingenommenen flüssigen Alginats mit Magensaft quillt dieses im Magen wie Gelatine auf und bindet dabei Magensäure. Alginat wird von manchen Patienten abends eingenommen, die vor allem nachts trotz PPI-Einnahme Refluxbeschwerden/Sodbrennen haben. Auch Alginate sind nicht für eine Dauertherapie geeignet.

Refluxkrankheit: Alternativen zu Medikamenten

Refluxkrankheit: Alternativen zu Medikamenten

Medikamente – hauptsächlich sog. Protonenpumpeninhibitoren PPIs – werden von fast allen Patienten/Patientinnen mit Refluxkrankheit eingenommen. Refluxbeschwerden können hiermit in der Regel deutlich reduziert oder beseitigt werden.

Eine langzeitige Einnahme über viele Monate oder Jahre ist aber mit Risiken belastet – wie bei fast allen Medikamenten.


Deshalb sollten alternative Maßnahmen in die Behandlung einbezogen werden.

Dazu gehören: 

  • das Gewicht reduzieren bei bestehendem Übergewicht 
  • leichte, aber regelmäßige sportliche Aktivitäten 
  • bei nächtlichen Refluxbeschwerden mit leicht erhöhtem Oberkörper schlafen
  • nicht sehr spät abends essen 
  • keine üppigen Mahlzeiten spät abends (nach 19 Uhr) 
  • mit dem Rauchen aufhören 
  • Alkoholkonsum reduzieren, vor allem am späten Abend 
  • Stress abbauen; Entspannung lernen (Yoga, autogenes Training oder ähnliches) 
  • den Oberbauch einengende Kleidung vermeiden

Refluxkrankheit: was kann ich selbst tun? Ratschläge zu Ernährung und Lebensführung.

Ernährung

Über den Zusammenhang bestimmter Nahrungsmittel mit Refluxbeschwerden gibt es nur wenige gesicherte Erkenntnisse. Das einfachste Prinzip besteht darin, solche Nahrungsmittel zu vermeiden, nach deren Konsum wiederholt Refluxbeschwerden aufgetreten sind. Sehr umfangreiche, fettreiche Mahlzeiten sollten vermieden werden. Falls dennoch einmal – etwa bei einer Familienfeier – sehr reichlich gegessen wurde, empfiehlt sich direkt anschließend ein kleiner “Verdauungsspaziergang”, wodurch der Weitertransport der Nahrung aus dem Magen erleichtert wird. Vorbeugend kann direkt nach einer solchen Mahlzeit auch ein Beutel Antazidum-Gel eingenommen werden.

Sehr späte abendliche Mahlzeiten sollten vermieden werden. Die letzte Abendmahlzeit sollte in der Regel nicht nach 19 Uhr liegen. Bei Neigung zu nächtlichem Reflux kann es sinnvoll sein, eine kleine Spätmahlzeit zu sich zu nehmen, bestehend z.B. aus Haferflocken und Banane.

Tagsüber hilft das Kauen von zuckerfreiem Kaugummi : die dadurch ausgelöste vermehrte Speichelproduktion wirkt in gewissem Umfang säurebindend.

Folgende Nahrungsmittel lösen erfahrungsgemäß bei Refluxpatienten besonders häufig Beschwerden aus :

  • Kaffee
  • saure Säfte, sehr saures Obst (Zitrone)
  • die Kombination von süß und sauer, z.B. in Tomatenketchup
  • sehr fettreiches Essen, z.B. Mayonnaise
  • frittierte Nahrungsmittel
  • sehr scharf gewürzte Speisen
  • Schokolade
  • Alkohol – vor allem säurebetonter Wein und Spirituosen
  • Nahrungsergänzungsmittel mit hohem Anteil an Aminosäuren und Kalzium
  • sehr salzreiche Nahrung

Es ist wohl so, dass weniger ein einzelnes Nahrungsmittel als vielmehr die Kombination verschiedener unverträglicher Nahrungsmittel Reflux auslöst.

Auch sollte das Essen entspannt und ohne Zeitdruck erfolgen. Mittags empfiehlt sich eine kurze Essenspause mit einer kleinen Mahlzeit im Sitzen, mit stillem Mineralwasser und in Gesellschaft mit einem angenehmen Gespräch oder allein, z.B. mit entspannter Zeitungslektüre.
Sich zum Essen etwas Zeit zu nehmen, ist entscheidend. Die heute verbreitete mittägliche Essensform (Coffee to go in der einen Hand, Pappschachtel mit Chinanudeln in der anderen Hand, Essen im Gehen oder Stehen unter Zeitdruck und mit ständigem Smartphone-Kontakt) ist für den Magen belastend und schädlich und fördert Reflux.
Dann besser für mittags von zuhause ein oder zwei Bananen mitnehmen und diese dann in Ruhe zusammen mit einem Getränk verzehren.

 

Lebensführung

Der Magen unterliegt einer erheblichen Beeinflussung durch das vegetative Nervensystem.

Deshalb wirken sich nervlich belastende Einflüsse auf den Magen aus, besonders auf die Säureproduktion im Magen und damit auch in Form von Refluxbeschwerden.
Diese Zusammenhänge sind seit langem bekannt und sprichwörtlich (ärgere ich mich über etwas oder jemanden, “werde ich sauer”).

Wenn Sie unter starken Refluxbeschwerden leiden, sollten Sie in einer ruhigen Stunde einmal darüber nachdenken, wie Sie ihr Leben so verändern können, dass seelisch belastende Einflüsse reduziert werden. Das ist natürlich nicht einfach, aber für die Besserung Ihrer Beschwerden entscheidend wichtig, langfristig sogar wichtiger als Medikamente.

Was belastet Sie besonders? Im Beruf? Im Privatleben? Kann eine belastende Situation durch ein Gespräch beseitigt oder wenigstens entschärft werden? Gehen Sie nicht mehrere Abende nacheinander mit einem ungelösten Konflikt ins Bett! Schaffen Sie Freiräume für sich – z.B. indem Sie einen Tag am Wochenende ganz für Ihr Privatleben und ggf. für die Familie freihalten.
Machen Sie sich Gedanken dazu, was in Ihrem Leben wirklich wichtig ist……… und welche Dinge in Ihrem Leben Zeit und Energie und Nerven beanspruchen, die eigentlich gar nicht so wichtig sind.
Lernen Sie wieder, entspannt zu genießen : mal etwas Schönes in Ruhe mit Familie und Freunden zu essen; mal richtig am Wochenende auszuschlafen; einen kleinen Wanderausflug zu unternehmen; sportlich aktiv zu sein – aber ohne großen Ehrgeiz, ohne Pulszähler, ohne Leistungsmesser am Armband, ohne Musik über Kopfhörer ……..hören Sie sich mal wieder die Naturgeräusche im Wald an!
Lassen Sie sich nicht mehr so sehr fremdbestimmen wie zuvor.

Natürlich sind diese Ratschläge nicht leicht umzusetzen. Das gelingt meist nur langsam, Schritt für Schritt.
Aber Sie sollten das im Interesse Ihrer Gesundheit jetzt anpacken! Solche positiven Veränderungen in Ihrem Leben helfen ja auch nicht nur Ihrem Magen, sondern wirken sich ganzheitlich auf Sie, auf Ihren Körper und Ihre Seele, gesundheits-fördernd aus!

Operation - und alles wird gut?

Eine schwerwiegende chronische Refluxkrankheit kann auch durch eine Operation behandelt werden. Zuerst wird der Arzt immer versuchen, die Refluxbeschwerden mit Medikamenten zu bessern. Aber bei einem Teil der Patienten gelingt das nicht befriedigend. Es ist eine Dauereinnahme von Medikamenten erforderlich, in nicht seltenen Fällen muss die Dosis des Medikamentes gesteigert werden. Viele Patienten haben das Gefühl einer Abhängigkeit von Tabletten, ohne dass diese eine Heilung bewirken würden. Lässt der Patient die Tabletten nur einen oder zwei Tage weg, setzen die Refluxbeschwerden sofort wieder ein, oft noch stärker als vor Beginn der Tablettenbehandlung.

Diese Situation empfinden viele Refluxpatienten als unbefriedigend und fragen nach einer alternativen Behandlung. Solchen Patienten kann eine Behandlung ihrer Refluxkrankheit durch den Chirurgen angeboten werden.

Wird eine Operation in Betracht gezogen, sollte zunächst eine ausführliche Beratung durch einen Chirurgen/ eine Chirurgin erfolgen, der/die sog. Anti-Reflux-Operationen in größerer Anzahl und regelmäßig und daher mit entsprechender Erfahrung durchführt.
Ihr behandelnder Gastroenterologe wird Ihnen gerne einen Sprechstunden-Termin bei einem solchen spezialisierten Chirurgen vermitteln.

Das Prinzip der Operation bei Refluxkrankheit erscheint einfach:

Der Refluxkrankheit liegt ja – wie der Name schon sagt – ein vermehrter Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre zugrunde. Beim Gesunden wird ein solcher Rückfluss durch einen funktionierenden Schließmuskel (unterer Ösophagus-Sphinkter) um unteren Ende der Speiseröhre am Übergang zum Magen verhindert. Auch beim Gesunden kann es gelegentlich einmal zu einer kurzen Episode mit Reflux kommen, diese klingt aber schnell ab und wird nicht zum Dauerproblem. Die “Reflux-Bremse” beim Gesunden besteht aus zwei sich ergänzenden Mechanismen: zum Einen aus dem unteren Schließmuskel der Speiseröhre, der als Ventil wirkt: der Nahrungstransport in den Magen wird ermöglicht, der Rückfluss aus dem Magen in die Speiseröhre aber verhindert. Der zweite Mechanismus besteht darin, dass eine gesunde Speiseröhre durch die Aktivität ihrer Muskelwand dafür sorgt, dass Mageninhalt – wenn er doch einmal zurück geflossen ist – innerhalb kurzer Zeit wieder in den Magen zurück befördert wird.

Die Operation (Anti-Reflux-Operation) sorgt dafür, dass der gestörte Verschluss zwischen Speiseröhre und Magen wieder hergestellt wird. Dieser Verschluss ist bei Refluxkranken häufig massiv gestört. Der beim Gesunden außerhalb des Schluckvorganges dicht verschlossene untere Speiseröhren-Schließmuskel ist bei Refluxpatienten oft ständig und weit geöffnet, vor allem auch dann, wenn ein sog. Zwerchfellbruch besteht (Hiatushernie). In diesem Fall ist durch eine Lücke im Zwerchfell der Magen einige Zentimeter weit nach oben in den Brustkorb “gerutscht” und der Verschluss funktioniert überhaupt nicht mehr.

Die Anti-Reflux-Operation zielt darauf ab, genau diesen Defekt zu beseitigen. Durch eine sog. Fundoplikatio wird der gestörte Verschluss wieder hergestellt. Dies geschieht dadurch, dass aus dem oberen Magenanteil eine Manschette gebildet wird, die den untersten Teil der Speiseröhre umschließt und auf diese Weise die zuvor weite Öffnung zum Magen hin wieder einengt und im Idealfall wieder einen Ventilverschluss aufbaut.

Das mit der Operation hört sich einfacher an als es ist. Der Verschluss zwischen Speiseröhre und Magen ist beim Gesunden ein kompliziertes Ventil aus vielen Einzelbestandteilen, das in seiner Funktion durch eine Operation nur schwierig komplett wieder herzustellen ist. Dennoch gelingt die Operation aber bei der Mehrzahl der Patienten so gut, dass anschließend die Refluxbeschwerden deutlich gebessert sind und oft säurehemmende Medikamente nicht mehr oder seltener als zuvor eingenommen werden müssen.

Erfreulicherweise kann die Anti-Reflux-Operation heute als minimal-invasiver Eingriff durchgeführt werden (also laparoskopisch, ohne größeren Bauchschnitt).

Vor Planung der Operation müssen dem Chirurgen alle wesentlichen Untersuchungsbefunde vorliegen, z.B. über das Bestehen einer Hiatushernie und deren Größe und über eine regelrechte Funktion der Speiseröhre selbst (häufig ist eine vorherige Manometrie erforderlich). Auch muss ein Reflux objektiv gesichert sein (pH-Metrie) und endoskopisch müssen beginnende oder bereits vorhandene bösartige Veränderungen der Speiseröhre und des Magens ausgeschlossen sein.

Also: alles hängt von einer sorgfältigen Planung und Vorbereitung der Operation ab und davon, dass diese von einem Chirurgen mit spezieller Erfahrung durchgeführt wird. Zur Vorbereitung gehört natürlich auch ein Aufklärungsgespräch, in dem auch mögliche Nachteile und Komplikationen der Operation besprochen werden.

Bei guter Vorbereitung bietet die Operation (Fundoplikatio) solchen Refluxpatienten, die mit Medikamenten nicht zufriedenstellend behandelt werden können, eine gute Erfolgsaussicht mit der Chance weitgehender dauerhafter Befreiung von Refluxbeschwerden.

Ich habe ein Barrett-Syndrom: muss ich mir Sorgen machen?

Noch vor einigen Jahren wurde vermutet, dass etwa jeder zehnte Patient mit Barrett-Ösophagus im Laufe seines Lebens eine Krebserkrankung der Speiseröhre (Barrett-Karzinom) entwickeln würde.

Glücklicherweise ist inzwischen gesichert, dass das Risiko viel geringer ist, als zunächst vermutet wurde. In der Krebsstatistik (2012) steht in Deutschland Speiseröhrenkrebs bei Männern auf Platz 13 der Krebserkrankungen, bei den Krebstodesfällen auf Platz 9.

Speiseröhrenkrebs ist bei Männern vier Mal häufiger als bei Frauen. Diese Krebserkrankung taucht bei Frauen nicht unter den 17 häufigsten Krebserkrankungen auf. Bei den Krebs-Todesfällen steht die Erkrankung auf Platz 19.
Die Anzahl der Barrett-Karzinome ist tatsächlich noch deutlich geringer, da in die Statistik auch sog. Plattenepithel-Karzinome der Speiseröhre einfließen (die etwa die Hälfte aller Speiseröhren-Karzinome ausmachen).

Beunruhigung ist vor allem deshalb entstanden, weil Barrett-Karzinome über einen Zeitraum von 20 Jahren insgesamt eine starke zahlenmäßige Zunahme gezeigt haben. Diese Zunahme ist allerdings in den letzten Jahren deutlich abgeflacht. Insgesamt sind Barrett-Karzinome eine rel. seltene Krebsform – Darmkrebs ist z.B. bei Männern sechs Mal häufiger !

Somit besteht bei Barrett-Ösophagus ein gewisses, aber sehr geringes Krebsrisiko.

Zumindest ein Teil der Krebserkrankungen ist durch Vorsorgemaßnahmen zu verhindern. Daher empfehlen sich nach erstmaliger Diagnose eines Barrett-Ösophagus endoskopische Kontrolluntersuchungen zur Überwachung und Früherkennung. Dabei richtet sich der Zeitabstand der Untersuchungen nach dem individuellen endoskopischen und histologischen Befund (Gewebeproben).

Ihr behandelnder Arzt wird sie nach einer Endoskopie über eine ggf. notwendige Kontrolluntersuchung informieren. Falls nicht : fragen Sie unbedingt nach !

Zusammenfassend müssen Sie sich keine großen Sorgen machen, aber wachsam sein (neu auftretende Beschwerden → unverzüglich den Arzt aufsuchen ! ) und notwendige endoskopische Kontrolluntersuchungen unbedingt durchführen lassen !

Barrett-Syndrom der Speiseröhre: was genau bedeutet das?

Barrett-Syndrom der Speiseröhre = Barrett-Ösophagus bedeutet, dass der untere Teil der Speiseröhre mit sog. spezialisierten Zylinderepithel ausgekleidet ist ( Zylinderepithel-Metaplasie).
Dagegen ist beim Gesunden die gesamte Speiseröhre mit sog. Plattenepithel ausgekleidet. Das ist ein Epithel (oberste Zellschicht der Schleimhaut), wie es (dort allerdings noch mit einer Hornschicht) auch an der Haut zu finden ist.
Das spezialisierte Zylinderepithel bei Barrett-Ösophagus sieht dagegen aus wie eine Schleimhaut im Darm (oder im Magen).

Warum genau dieses Barrett-Epithel sich bei Refluxkranken in der Speiseröhre entwickelt, ist letztlich nicht bekannt. Die Entwicklung ist nicht zwangsläufig : der überwiegende Teil von Refluxpatienten bekommt nie eine Barrett-Schleimhaut !

Anhaltende Entzündungsvorgänge in der unteren Speiseröhre führen wohl zu einer Störung von Signalwegen in den Zellen, die zu der beschriebenen Zylinderzell-Metaplasie führen. Neben den äußeren Faktoren (Säure-Einwirkung und andere ) spielen auch genetische (erbliche) Faktoren eine Rolle – wie auch der deutliche Geschlechter-Unterschied bei Barrett-Ösophagus und Barrett-Karzinom zeigt.

Diese Zusammenhänge werden von wissenschaftlichen Arbeitsgruppen der Chirurgischen Universitätsklinik Leipzig intensiv erforscht.
Details hierzu finden Sie unter der Rubrik Barrett-Initiative / Projekte / aktuelle Forschungsprojekte.

Viele Studienzentren in Deutschland beteiligen sich an diesen wichtigen Forschungen, von denen langfristig Patienten mit Barrett-Ösophagus profitieren werden .
Details hierzu finden Sie auf der Homepage des Barrett-Konsortiums www.barrett-konsortium.de

Barrett-Syndrom: wie oft muss ich mich untersuchen lassen?

In Abhängigkeit vom Vorhandensein von intraepithelialen Neoplasien (= Dysplasien = Krebsvorstufen) werden folgende Überwachungsintervalle für Kontroll-Endoskopien mit Entnahme von Gewebeproben empfohlen:

1. Keine intraepitheliale Neoplasie: Kontrolle nach 1 Jahr, bei Bestätigung von Barrett-Schleimhaut kann alle 3-4 Jahre eine Kontroll-ÖGD erfolgen.

2. Leichtgradige intraepitheliale Neopasie: falls herdförmige Schleimhautveränderungen sichtbar sind, sollte umgehend eine endoskopische Therapie erfolgen (z.B. Entfernung mit der Schlinge). Falls keine herdförmigen Veränderungen nachweisbar sind : Kontrolle im 1. Jahr halbjährlich, dann jährlich; alternativ kann eine Ablation mit RFA* erfolgen (Radiofrequenz-Ablation).

3. Hochgradige intraepitheliale Neoplasie: endoskopische Therapie ( Entfernung mit Schlinge oder einem alternativen Verfahren ) empfohlen. Bei hochgradiger Dysplasie muss unbedingt sichergestellt werden, dass nicht doch schon ein Karzinom besteht – das dann stadiengerecht behandelt werden muss.

* Radiofrequenzablation: ein Ballon, der an seiner Oberfläche Elektroden enthält, wird unter endoskopischer Kontrolle in der Speiseröhre aufgeblasen und erhält direkten Kontakt zur Barrettschleimhaut. Durch kontrollierte Verabreichung von Radiofrequenzstrom über einen Generator wird die Barrettschleimhaut verschorft (Radiofrequenzablation). Aufgrund begrenzter Eindringtiefe wird nur die Schleimhaut verschorft, tiefere Gewebsschichten werden geschont. Hierdurch treten nur in einem geringen Prozentsatz narbige Verengungen der Speiseröhre nach Behandlung auf. Die Funktion der Speiseröhre bleibt intakt, das Organ wird komplett erhalten. Die Barrettschleimhaut wird nach Radiofrequenzablation durch das „normale“, ortsständige Plattenepithel ersetzt. Ziel der Radiofrequenzablation ist die Vermeidung der Bildung eines fortgeschrittenen Speiseröhrenkrebses auf dem Boden eines Barrettösophagus durch Beseitigung der Barrett-Schleimhaut.

Barrett-Syndrom und Krebs der Speiseröhre: wie hoch ist das Risiko?

1. Das Risiko ist für Männer 4x höher als für Frauen

2. Bei Männern erkrankt 1 von 125 Männern, bei Frauen 1 von 435 Frauen während ihres gesamten Lebens an Krebs der Speiseröhre ( Plattenepithel- und Adenokarzinome = Barrett-Karzinome)

3. Bei Patienten mit Barrett-Ösophagus, die überwacht werden, liegt die jährlich Rate für die Entwicklung eines Barrett-Karzinoms bei etwa 1 von 140 Patienten.

4. Wie hoch das Risiko insgesamt ist, bei Barrett-Ösophagus einen Krebs der Speiseröhre zu entwickeln, ist unbekannt. Viele Patienten mit Barrett-Ösophagus haben keine Refluxbeschwerden und werden daher auch nie endoskopisch untersucht.

5. Das Risiko ist umso höher, je länger die Zone von Barrett-Schleimhaut in der Speiseröhre ausgedehnt ist ( eine Barrett-Zone von 5 cm hat ein deutlich höheres Risiko als eine Barrett-Zone von
1 cm).

Können Barrett-Schleimhaut und Barrett-Karzinom endoskopisch entfernt werden?

Liegt endoskopisch eine hochgradige Dysplasie ( unmittelbares Krebs-Vorstadium ) oder ein frühes Stadium eines Barrett-Karzinoms vor ( T1-Stadium ) vor, sollte eine diagnostische endoskopische Resektion erfolgen.
Dabei wird die tumortragende Schleimhaut ( Mukosa ) einschließlich der darunter liegenden Schicht ( Submukosa) komplett entfernt. Das abgetragene Gewebe wird sehr sorgfältig feingeweblich ( histologisch ) unter dem Mikroskop untersucht. Ergibt diese Untersuchung, dass die Krebs-Ausdehnung noch auf die Mukosa als oberste Schicht der Speiseröhrenwand beschränkt ist ( mukosales Karzinom ) und dass Risikofaktoren nicht vorliegen ( kein Einwachsen in Lymphgefäße und Venen; Schnittrand des abgetragenen Gewebes frei von Tumoranteilen ), dann ist der Patient durch die endoskopische Abtragung ausreichend behandelt und muss nicht operiert werden. Allerdings sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen erforderlich.
Patienten, bei denen histologisch ein Eindringen des Krebses bis in die Submukosa-Schicht und/oder ein Einwachsen in Lymphgefäße oder Venen nachgewiesen wird, müssen in der Regel operiert werden ( Ösophagus-Resektion ), da bei diesen Patienten ein Risiko von 20-40 % besteht, dass der Krebs sich schon in die angrenzenden Lymphknoten ausgebreitet hat.

Die endoskopische Abtragung erfolgt mit einer speziellen Technik, bei der das frühe und in der Regel noch kleine Barrett-Frühkarzinom zuerst angesaugt und dann mit einer Schlinge abgetragen wird. In Einzelfällen ist auch eine Abtragung durch Ausschneidung des Tumors nach vorheriger Unterspritzung mit Flüssigkeit möglich ( sog. endoskopische Submukosa-Dissektion ESD).
Die geschilderten endoskopischen Eingriffe sind kompliziert und nicht ohne Risiko; sie sollten daher nur in Endoskopie-Zentren mit entsprechend großer Erfahrung vorgenommen werden.

Normale Barrett-Schleimhaut ohne Hinweis auf hohes Entartungsrisiko ( Dysplasie = intra-epiteliale Neoplasie ) sollte nicht endoskopisch abgetragen werden ( Nutzen nicht gesichert ). Eine Entfernung der vorhandenen Barrett-Schleimhaut mit Radiofrequenz-Ablation (RFA) ist aber sinnvoll nach Abtragung eines Barrett-Frühkarzinoms ( siehe oben ) und bei Nachweis einer eindeutigen niedriggradigen Dysplasie sowie bei einer hochgradigen Dysplasie, wenn diese nicht sicher endoskopisch abgegrenzt werden kann und damit eine endoskopische Entfernung nicht möglich ist. Auch in diesen Fällen sind konsequent Nachuntersuchungen notwendig.

Speiseröhrenkrebs vermeiden: geht das?

Es gibt kein Verfahren und keine Verhaltensweise und keine Medikamente, die Speiseröhrenkrebs sicher vermeiden können.

Das hängt damit zusammen, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen können, die letztlich beim einzelnen Patienten nicht zu beeinflussen sind. Und auch damit, dass eine ganze Reihe von Patienten mit Barrett-Ösophagus keine oder keine nennenswerten Refluxbeschwerden hat und sich daher nicht endoskopisch untersuchen lässt.

Eine Endoskopie als Vorsorge-Untersuchung auf Speiseröhren-Krebs wird (im Gegensatz zur Vorsorge-Darmspiegelung zur Vermeidung von Darmkrebs) von den Krankenkassen bisher nicht übernommen.

Zur Vermeidung von Speiseröhrenkrebs sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen, wenn

  • Beschwerden der Speiseröhre bestehen (anhaltendes Sodbrennen, Rückfluss von Nahrung in den Mund, Steckenbleiben von Nahrung beim Schlucken, Schmerzen beim Schlucken, Schmerzen hinter dem Brustbein, anhaltende Oberbauchschmerzen, anhaltende Heiserkeit, anhaltende Halsschmerzen, anhaltendes Kloßgefühl im Hals, anhaltender Husten, nächtliches Aufwachen durch Sodbrennen oder Hustenattacken oder Atemnot)
  • in der Familie ein Fall von Magen- oder Speiseröhrenkrebs aufgetreten ist
  • wenn Sie deutlich an Appetit verlieren und / oder ungewollt Gewicht abnehmen oder ein Eisenmangel oder eine Blutarmut festgestellt wird

Und denken Sie daran:

wenn bei einer Endoskopie (Magenspiegelung) ein Risikobefund der Speiseröhre festgestellt worden ist (Barrett-Schleimhaut, Dysplasien, herdförmige Veränderungen wie Polypen usw.), sind endoskopische Kontrolluntersuchungen unbedingt erforderlich!

Speiseröhrenkrebs vermeiden: was kann ich dazu beitragen?

Wichtige Informationen dazu haben Sie in Kapitel 13 bereits erhalten.

Wesentlicher Risikofaktor für die Entwicklung eines Speiseröhrenkrebses ist über viele Jahre anhaltender Reflux von Mageninhalt in die Speiseröhre mit der Folge einer chronischen Entzündung. Wie bei jeder chronischen Entzündung erhöht sich das Krebsrisiko, da die sinnvollen Reparaturmechanismen des Körpers zur Heilung der Entzündung auch einmal fehlgesteuert werden können und aus dem für die Reparatur sinnvollen gesteigerten Zellwachstum ein unkontrolliertes Zellwachstum werden kann, das dann in einen Krebs mündet.


Das bedeutet : eine effektive Behandlung von Reflux reduziert die Entzündung und damit auch langfristig das Krebsrisiko
.

Hierzu haben wir ihnen in den Kapiteln 4 bis 7 eine Vielzahl von Ratschlägen gegeben.

Lesen Sie sich diese bitte noch einmal aufmerksam durch.


Besonders wichtig :
 

  • Rauchen beenden 
  • Übergewicht reduzieren 
  • Alkohol reduzieren, nichts Hochprozentiges 
  • Nahrungsmittel weglassen, die Refluxbeschwerden auslösen 
  • nachts mit leicht erhöhtem Oberköper schlafen 
  • ausreichender Anteil an Obst, Gemüse und Ballaststoffen in der Nahrung

Nutzen neuer Forschungsergebnisse; Teilnahme an Studien

Früherkennung und Behandlung und Reduzierung des Krebsrisikos beim Barrett-Ösophagus müssen weiter verbessert werden.

Das kann nur dadurch geschehen, dass durch intensive Forschung heraus gefunden wird, welche medizinischen Maßnahmen dazu wirklich geeignet sind.

Bei den heute schon üblichen Vorsorgeuntersuchungen gibt es sog. Screening-Verfahren, die solche Menschen in der Allgemeinbevölkerung identifizieren, bei denen mit einem erhöhten Krebsrisiko zu rechnen ist.

Beispiel:

  • der Stuhltest auf Blut (positiver Test = erhöhtes Darmkrebsrisiko).

 

Oder spezielle Früherkennungsuntersuchungen bei sehr häufigen Krebserkrankungen

Beispiele:

  • Mammografie (Brustkrebs)
  • Abstrich oder Virustest des Gebärmutterhalses (Gebärmutterhals-Krebs)
  • Tastuntersuchung der Prostata
  • Hautuntersuchung (auf Hautkrebs)

 

Die Forschungs-Anstrengungen der im Barrett-Konsortium aktiven Ärzte und Wissenschaftler haben das Ziel, die Früherkennung von Speiseröhrenkrebs zu verbessern und evtl. auch ein Screening-Verfahren zu entwickeln.

Dabei würde es sich um einen Test handeln, der gewisse genetische Risikofaktoren, immunologische Blutwerte und sog. immunhistochemische Ergebnisse aus Gewebeproben zusammenfasst und daraus ein Risikoprofil für den einzelnen untersuchten Menschen zusammenstellt.

Lässt sich aus der Konstellation der Befunde ein deutlich erhöhtes Risiko ablesen, würden gezielt solche Menschen (auch wenn sie aktuell gar keine Beschwerden haben) ab einem gewissen Alter regelmäßig (endoskopisch) überwacht.

Bei anderen Menschen ohne dieses Risikoprofil könnte auf eine Überwachung verzichtet werden.

 

All das ist bei der Vermeidung des Barrett-Karzinoms noch Zukunftsmusik, aber die medizinische Wissenschaft macht erfreulicherweise enorme Fortschritte.

Sie selbst können diese wichtige Forschung unterstützen, indem Sie sich bereit erklären, an Studien teil zu nehmen, deren Ergebnisse zukünftig dazu beitragen, Krebs zu vermeiden. Der Mehraufwand für Sie ist dabei in aller Regel nur gering. Eine ausführliche Aufklärung zum Ablauf und zum Studienziel erhalten Sie auf jeden Fall.

Für Ihre Bereitschaft zur Teilnahme schon jetzt unser ganz herzlicher Dank !

Barrett-Screening: Rationale, aktuelle Konzepte und Perspektiven
Z Gastroenterol 2019; 57(03): 317-326

Weismüller J, Thieme R, Hoffmeister A, Weismüller T, Gockel I

https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-0832-2647

 


 

In-depth characterization of the Wnt-signaling/β-catenin pathway in an in vitro model of Barrett´s sequence
BMC Gastroenterology 2019. doi.org/10.1186/s12876-019-0957-5

Götzel K, Chemnitzer O, Maurer L, Dietrich A, Eichfeld U, Lyros O, Moulla Y, Niebisch S, Mehdorn M, Jansen-Winkeln B, Vieth M, Hoffmeister A, Gockel I, Thieme R

https://bmcgastroenterol.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12876-019-0957-5

 


 

No Association Between Vitamin D Status and Risk of Barrett´s Esophagus or Esophageal Adenocarcinoma – a Mendelian Randomization Study
Clin Gastroenterol Hepatol. 2019 Feb 1. pii; S1542-3565(19)30088-6. doi: 10.1016/j.cgh.2019.01.041. [Epub ahead of print]

Dong J, Gharahkhani P, Chow WH, Gammon MD, Liu G, Caldas C, Wu AH, Ye W, Onstad L, Anderson LA, Bernstein L, Pharoah PD, Risch HA, Corley DA, Fitzgerald RC, Stomach and Esophageal Cancer Study (SOCS) Consortium, Iyer PG, Reid BJ, Lagergren J, Shaheen NJ, Vaughan TL, MacGregor S, Love S, Palles C, Tomlinson I, Gockel I, May A, Gerges C, Anders M, Böhmer AC, Becker J, Kreuser N, Thieme R, Noder T, Venerito M, Veits L, Schmiddt T, Schmidt C, Izbicki JR, Hölscher AH, Lang H, Lorenz D, Schumacher B, Mayershofer R, Vashist Y, Ott K, Vieth M, Weismüller J, Nöthen MM, Moebus S, Knapp M, Peters WHM, Neuhaus H, Rösch T, Ell C, Jankowski J, Schumacher J, Neale RE, Whiteman DC, Thrift AP

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1542356519300886?via%3Dihub

 


 

Evaluation of hyperspectral Imaging (HSI) for the measurement of ischemic conditioning effects of the gastric conduit during esophagectomy.
Surg Endosc. 2019 Jan 23. doi: 10.1007/s00464-019-06675-4. [Epub ahead of print]

Köhler H, Jansen-Winkeln B, Maktabi M, Barberio M, Takoh J, Holfert N, Moulla Y, Niebisch S, Diana M, Neumuth T, Rabe SM, Chalopin C, Melzer A, Gockel I

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs00464-019-06675-4.pdf

 


 

Endoscopic suturing as a less invasive approach for the treatment of anastomotic leakage after esophagogastrostomy – a case Report. Fallbericht: Endoskopische Vollwandnaht bei Anastomoseninsuffizienz nach Ösophagogastrostomie.
Z Gastroenterol 2018 Nov; 56(11): 1365-1368

Feisthammel J, Gockel, I, Mössner J, Hoffmeister A

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30419579


Kommentar (Dr. J. Weismüller, Koblenz):

Anastomoseninsuffizenzen sind eine mögliche Komplikation nach gastrointestinalen Operationen und sind mit einer hohen Mortalität assoziiert. Im Vergleich zur chirurgischen Revision bietet die endoskopische Therapie verschiedene Vorteile. In dem vorgestellten Fall gelang mittels  OverStitch™-Nahtsystem der endoskopische Verschluss einer Anastomoseninsuffizienz mit sofortigem technischen und klinischen Erfolg.  Dies legt nahe, im Falle einer Anastomoseninsuffizienz endoskopische Verfahren mit Clips oder Naht in die Therapieplanung einzubeziehen.


 

Hyperspektral-Imaging bei gastrointestinalen Anastomosen
Chirurg. 2018 Sep;89(9):717-725

Jansen-Winkeln B, Maktabi M, Takoh JP, Rabe SM, Barberio M, Köhler H, Neumuth T, Melzer A, Chalopin C, Gockel I

https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00104-018-0633-2

 



Diagnosis, assessment, and management of surgical complications following  esophagectomy.

Ann N Y Acad Sci. 2018 Jul 8. doi: 10.1111/nyas.13920. [Epub ahead of print]

Grimminger PP, Goense L, Gockel I, Bergeat D, Bertheuil N, Chandramohan SM, Chen KN, Chon SH, Denis C, Goh KL, Gronnier C, Liu JF, Meunier B, Nafteux P, Pirchi ED, Schiesser M, Thieme R, Wu A, Wu PC, Buttar N, Chang AC

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29984413


Kommentar (Dr. J. Weismüller, Koblenz):

Übersichtsarbeit zum Management bei chirurgischen Komplikationen der Ösophagusresektion.

 


 

Upregulation of VEGFR1 in a rat model of esophagogastric anastomotic healing
Acta Chir Bel. 2018 Jun;118(3):161-166

Landes LC, Drescher D, Tagkalos E, Grimminger PP, Thieme R, Jansen-Winkeln B, Lang H, Gockel I

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=pmid%3A+29065778

 


 

Before and after Esophageal Surgery: Which Information Is Needed from the Functional Laboratory?
Visc Med. 2018 Apr;34(2):116-121

Gockel I, Rabe SM, Niebisch S

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=pmid%3A+29888240

 


 

Cost-Effectiveness and Cost-Utility Analyses of Antireflux Medicine
Gesundheitswesen. 2018 Apr 12. doi: 10.1055/a-0586-3630. [Epub ahead of print]

Gockel I, Lange UG, Schürmann O, Jansen-Winkeln B, Sibbel R, Lyros o, von Dercks N

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=pmid%3A+29649837

 


 

Response to TNF-α Is Increasing Along with the Progression in Barrett’s Esophagus
Dig Dis Sci. 2017 Dec;62(12):3391-3401

Chemnitzer O, Götzel K, Maurer L, Dietrich A, Eichfeld U, Lyros O, Jansen-Winkeln B, Hoffmeister A, Gockel I, Thieme R

https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs10620-017-4821-6

 


 

Endoskopische oder chirurgische Resektion bei Ösophagus- und Magenkarzinomen.
Dtsch Arztebl Int 2017; 115(31-32): 513-9 

Gockel I, Hoffmeister A

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6131362/pdf/Dtsch_Arztebl_Int-115_0513.pdf

 


 

Die onkologische Ösophagusresektion und -rekonstruktion. Offen, Hybrid, MIC oder Robotik?
Chirurg. 2017 Jun,88(6):496-502

Gockel, I, Lorenz D

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs00104-016-0364-1.pdf

 

Kommentar (Dr. J. Weismüller, Koblenz):

Zunehmend werden minimalinvasive Resektionen in der onkologischen Chirurgie des Ösophaguskarzinoms eingesetzt. Die neue deutsche S3-Leitlinie stellt fest, dass sowohl die Ösophagektomie als auch die Rekonstruktion des Ösophagus minimalinvasiv oder in Kombination mit offenen Prozeduren (Hybridtechnik) ausgeführt werden kann. Die Robotikösophagektomie wird derzeit in Deutschland nur in wenigen Kliniken durchgeführt – wohl auch aus Kostengründen.  Minimalinvasive Verfahren der onkologischen Ösophagusresektion sind in erfahrenen Händen sicher und führen in der Regel zu einer Verkürzung der Rekonvaleszenz. Hybridverfahren gewährleisten eine onkologische intraabdominale und mediastinale Lymphadenektomie.

 


 

Gemeinsame genetische Ätiologie des Barrett-Ösophagus/-Karzinoms und der Adipositas
ZGastroenterol 2017; 55(08):e57-e299. 2017 Jun 14;17(1):413

AC Böhmer, J Hecker, A May, C Gerges, M Venerito, T Schmiddt, C Schmidt, H Manner, Y Vashist, U Benner, R Meyershofer, M Anders, M Vieth, T Hess, J Becker, M Knapp, S Moebus, M Nöthen, A Dietrich, R Thieme, A Ebigbo, H Messmann, WH Peters, MW Büchler, JR Izbicki, AH Hölscher, B Schumacher, J Weismüller, H Neuhaus, T Rösch, C Ell, I Gockel, J Schumacher

https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0037-1604755


Kommentar 
(Dr. J. Weismüller, Koblenz):

Die Auswertung der multizentrischen Studie spricht für eine partiell gemeinsame genetische Ursache von Barrett-Ösophagus (BE) und Barrett-Karzinom des Ösophagus (EAC) einerseits und der Adipositas andererseits.

 


 

Internet-based perioperative exercise program in patients with Barrett´s carcinoma scheduled for esophagectomy [iPEP – study] a prospective randomized-controlled trail.
BMC Cancer. 2017 Jun 14;17(1):413

Pfirrmann D, Tug S, Brosteanu O, Mehdorn M, Busse M, Grimminger PP, Lordick F, Glatz T, Hoeppner J, Lang H, Simon P, Gockel I

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5471695

 


 

The dawning of perioperative care in esophageal cancer.
J Thorax Dis. 2017 Oct:9(10):3488-3492

I Gockel, D Pfirrmann, B Jansen-Winkeln, P Simon

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5723881/

 

Kommentar (Dr. J. Weismüller, Koblenz):

Das Ergebnis der operativen Behandlung des Ösophaguskarzinoms ist nicht nur von primär onklogischen und chirurgisch-technischen Faktoren abhängig. Es gibt Hinweise darauf, dass ein guter körperlicher Trainingszustand sich positiv auf die langfristigen Ergebnisse auswirken könnte. In der von der Arbeitsgruppe der Autoren initiierten iPEP-Studie soll diesen möglichen Zusammenhängen nachgegangen werden. Patienten vor einer Ösophagusresektin führen in dieser prospektiven kontrollierten Studie präoperativ während der neoadjuvanten Thearpie sowie peri- und postoperativ ein strukturiertes, internet-basiertes und monitorisiertes Trainingsprogramm durch mit dem Ziel, vor allem die Lungenfunktion zu verbessern und Lungenkomplikationen (Pneumonien) zu reduzieren, darüber hinaus aber auch die allgemeine Fitness und die Lebensqualität zu verbessern.

 


 

R1-Resektion beim Ösophaguskarzinom
Chirurg. 2017 Sep;88(9):748-755

Gockel I, Wittekind C

https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00104-017-0469-1

 


 

Ökonomische Aspekte der onkologischen Ösophaguschirurgie. Zentralisierung ist essenziell.
Chirurg. 2017 Jan,88(1):62-69

N. von Dercks, Prof. Dr. I. Gockel, M. Mehdorn, D. Lorenz

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs00104-016-0326-7.pdf

 
Kommentar (Dr. J. Weismüller, Koblenz):

Eine aktuelle Analyse der deutschen Krankenhausabrechnungsdaten konnte einen signifikanten Unterschied der Klinikletalität zwischen Kliniken mit und ohne Erreichen der Mindestmengen der Ösophagektomie belegen. US-amerikanische Daten zeigen, dass neben patientenrelevanten Parametern das Fallvolumen des Chirurgen relevant für die Kosten der Behandlung ist. Die derzeitige Datenlage spricht dafür, dass unter dem Aspekt chirurgischer Expertise wie unter dem Aspekt von Kostenökonomie die Durchführung onkologischer Ösophagusoperationen (Komplexe Eingriffe am Organsystem Ösophagus nach Mindestmengenregelung GBA) in Schwerpunktkliniken sinnvoll ist.

 


 

Bedeutung der perioperativen Ernährungstherapie beim Risiko- und Komplikationsmanagement von Patienten mit Ösophaguskarzinom
Chirurg. 2016 Dec;87(12):1046-1053

Weimann A, Gockel I, Hölscher AH, Meyer HJ

https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00104-016-0256-4

 


 

Genome-wide association studies in oesophageal adenocarcinoma and Barrett´s oesophagus: a large-scale meta-analysis
Lancet Oncol. 2016 Oct;17(10):1363-1373

Puya Gharahkhani*, Rebecca C Fitzgerald*, Thomas L Vaughan*, Claire Palles*, Ines Gockel*, Ian Tomlinson*, Matthew F Buas, Andrea May, Christian Gerges, Mario Anders, Jessica Becker, Nicole Kreuser, Tania Noder, Marino Venerito, Lothar Veits, Thomas Schmidt, Hendrik Manner, Claudia Schmidt, Timo Hess, Anne C Böhmer, Jakob R Izbicki, Arnulf H Hölscher, Hauke Lang, Dietmar Lorenz, Brigitte Schumacher, Andreas Hackelsberger, Rupert Mayershofer, Oliver Pech, Yogesh Vashist, Katja Ott, Michael Vieth, Josef Weismüller, Markus M Nöthen, the Barrett’s and Esophageal Adenocarcinoma Consortium (BEACON)†‡, the Esophageal Adenocarcinoma GenEtics Consortium (EAGLE)‡, the Wellcome Trust Case Control Consortium 2 (WTCCC2)‡, Stephen Attwood, Hugh Barr, Laura Chegwidden, John de Caestecker, Rebecca Harrison, Sharon B Love, David MacDonald, Paul Moayyedi, Hans Prenen, R G Peter Watson, Prasad G Iyer, Lesley A Anderson, Leslie Bernstein, Wong-Ho Chow, Laura J Hardie, Jesper Lagergren, Geoff rey Liu, Harvey A Risch, Anna H Wu, Weimin Ye, Nigel C Bird, Nicholas J Shaheen, Marilie D Gammon, Douglas A Corley, Carlos Caldas, Susanne Moebus, Michael Knapp, Wilbert H M Peters, Horst Neuhaus, Thomas Rösch, Christian Ell, Stuart MacGregor†, Paul Pharoah†, David C Whiteman†, Janusz Jankowski†, Johannes Schumacher†

http://www.thelancet.com/pdfs/journals/lanonc/PIIS1470-2045(16)30240-6.pdf

 

Kommentar (Dr. J. Weismüller, Koblenz):

Die bisherigen Ergebnisse aus GWAS-Studien zur Identifikation von genetischen Risikoloci für Barrett-Ösophagus (BE) und Adenokarzinom des Ösophagus (EAC) werden in einer Metaanalyse zusammengefasst.
Ausgewertet wurden Daten von über 6.000 Patienten mit Barrett-Ösophagus und über 4.000 Patienten mit Adenokarzinom. Mit statistischen und bioinformatischen Verfahren wurde eine Gewichtung der Vielzahl von bislang gefundenen genetischen Abweichungen bei BE und EAC vorgenommen.

Auf diese Weise konnten insgesamt 9 Risikoloci als signifikant definiert werden. Interessanterweise war einer dieser Loci mit EAC, aber nicht mit BE assoziiert. Dieser Genlocus nahe HTR3C and ABCC5 könnte somit ein Marker für Fälle mit BE sein, die primär ein hohes Risiko für die Progression zum EAC aufweisen. Die mit den genetischen Aberrationen assoziierten Signalwege betrafen vor allem die Entwicklung und Differenzierung des Mesenchyms und speziell die Differenzierung von Muskelzellen.

Die Metaanalyse gibt Hinweise darauf, welche genetischen Marker (aus der Vielzahl der bisher gefundenen Risikoloci) möglicherweise in der Zukunft realistisch als Risikoprädiktoren eingesetzt werden könnten, um die Surveillance bei Patienten mit Barrett-Ösophagus (von denen ja nur ein kleiner Anteil jemals ein Adenokarzinom entwickelt) auf Patienten mit tatsächlichem Risiko zu fokussieren.

 


 

Dysregulation of WNT5A/ROR2 Signaling Characterizes the Progression of Barrett’s-associated Esophageal Adenocarcinoma. Mol Cancer Res. 2016 Apr 15 [Epub ahead of print]

Lyros O, Nie L, Moore T, Medda R, Otterson M, Behmaram B, Mackinnon A, Gockel I, Shaker R, Rafiee P.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27084312

 

Kommentar (Dr. med. J. Weismüller, Koblenz):

Auch in dieser Arbeit wird der Einfluss eines Wnt-Signaltransduktionsweges auf die Tumorogenese vom Barrett-Ösophagus (BE) ohne Dysplasie zum Barrett-Adenokarzinom (EAC) untersucht. Der Wnt-Signalweg setzt sich komplex aus einer Vielzahl von Rezeptoren und Signalproteinen zusammen, die im Ablauf der Kaskade Folgereaktionen stimulieren oder blockieren können.

Tyrosine-protein kinase transmembrane receptor ROR2 ist ein Rezeptor der Zelloberfläche, dessen Gen auf Chromosom 9 lokalisiert ist. Mutationen in diesem Bereich sind mit Knochen- und Knorpelschäden assoziiert.

Aber auch bei EAC ist ROR2 offenbar involviert. Die vorliegende Studie weist nach, dass beim EAC eine Über-Expression von ROR2 besteht bei gleichzeitiger Blockade der Wnt5A-Expression.

Die Autoren diskutieren, dass diese Dysregulation im Wnt-ROR2-Signalweg ein prognostischer Marker für das Risiko der Entstehung eines EAC sein könnte und möglicherweise auch therapeutische Implikationen hat.

Videos zu Wnt-Signalwegen finden Sie in der Rubrik Links.

 


 

The Barrett-associated variants at GDF7 and TBX5 also increase esophageal adenocarcinoma risk. Cancer Med 2016; 5(5):888–891

Jessica Becker, 1 , 2 Andrea May, 3 Christian Gerges, 4 Mario Anders, 5 , 6 Claudia Schmidt, 7 Lothar Veits, 8 Tania Noder, 5 Rupert Mayershofer, 9 Nicole Kreuser, 10 Hendrik Manner, 11 Marino Venerito, 12 Jan‐Hinnerk Hofer, 13 Orestis Lyros, 10 Constantin J. Ahlbrand, 14 Michael Arras, 14 Sebastian Hofer, 14 Sophie K. M. Heinrichs, 1 , 2 Katharina Weise,1 , 2 Timo Hess, 1 , 2 Anne C. Böhmer, 1 , 2 Nils Kosiol, 1 , 2 Ralf Kiesslich, 11 Jakob R. Izbicki, 15 Arnulf H. Hölscher, 7Elfriede Bollschweiler, 7 Peter Malfertheiner, 12 Hauke Lang, 14 Markus Moehler, 16 Dietmar Lorenz, 17 Katja Ott, 18 , 19Thomas Schmidt, 19 Markus M. Nöthen, 1 , 2 Andreas Hackelsberger, 20 Brigitte Schumacher, 4 , 21 Oliver Pech, 22Yogesh Vashist, 15 Michael Vieth, 8 Josef Weismüller, 23 Michael Knapp, 24 Horst Neuhaus, 4 Thomas Rösch, 5 Christian Ell, 3 Ines Gockel, 10 , † and Johannes Schumacher 1 , 2 , † 1

Institute of Human Genetics, University of Bonn, Bonn, Germany 2Department of Genomics, Life & Brain Center, University of Bonn, Bonn, Germany 3Department of Medicine II, Sana Klinikum, Offenbach, Germany 4Department of Internal Medicine II, Evangelisches Krankenhaus, Düsseldorf, Germany 5Department of Interdisciplinary Endoscopy, University Hospital Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany 6Departments of Gastroenterology and Interdisciplinary Endoscopy, Vivantes Wenckebach-Kinikum, Berlin, Germany 7Department of General, Visceral and Cancer Surgery, University of Cologne, Cologne, Germany 8Institute of Pathology, Klinikum Bayreuth, Bayreuth, Germany 9Gastroenterologie am Burgweiher, Bonn, Germany 10Department of Visceral Transplant, Thoracic and Vascular Surgery, University Hospital of Leipzig, Leipzig, Germany 11Department of Internal Medicine II, HSK Hospital, Wiesbaden, Germany 12Department of Gastroenterology, Hepatology and Infectious Diseases, Otto-von-Guericke University Hospital, Magdeburg, Germany 13Magen Darm Zentrum Wiener Platz, Cologne, Germany 14Department of General, Visceral and Transplant Surgery, University Medical Center, University of Mainz, Mainz, Germany 15Department of General, Visceral and Thoracic Surgery, University Medical Center Hamburg-Eppendorf, University of Hamburg, Hamburg, Germany 16First Department of Internal Medicine, University Medical Center, University of Mainz, Mainz, Germany 17Departments of General and Visceral Surgery, Sana Klinikum, Offenbach, Germany 18Department of General, Visceral and Transplantation Surgery, University of Heidelberg, Heidelberg, Germany 19Department of General, Visceral and Thorax Surgery, RoMed Klinikum Rosenheim, Rosenheim, Germany 20Gastropraxis, Wiesbaden, Germany 21Departments of Internal Medicine and Gastroenterology, Elisabeth Hospital, Essen, Germany 22Departments of Gastroenterology and Interventional Endoscopy, St. John of God Hospital, Regensburg, Germany 23Gastroenterologische Gemeinschaftspraxis, Koblenz, Germany 24Institute for Medical Biometry, Informatics and Epidemiology, University of Bonn, Bonn, Germany

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4864818/pdf/CAM4-5-888.pdf

 

Kommentar (Dr. med. J. Weismüller, Koblenz):

Bei der Entstehung von Barrett-Ösophagus (BE) und Adenokarzinom der Speiseröhre (EAC) spielen genetische Faktoren eine Rolle. Durch genom-weite Assoziations-Studien (GWAS) sind inzwischen zahlreiche Risikogene für BE und EAC identifiziert worden. Die vorliegende Studie sollte klären, ob die bereits als Risikogene für Barrett-Ösophagus identifizierten Genvarianten GDF7, TBX5 und ALDH1A2 tatsächlich das BE-Risiko erhöhen (Replikationsstudie), ob sie auch das Risiko für EAC erhöhen und ob das Ausmaß der Risikoerhöhung für BE und EAC sich unterscheidet.

Insgesamt konnten Proben von 542 Patienten mit BE und 1106 Patienten mit EAC aus dem Patientenkollektiv zahlreicher deutscher gastroenterologischen Zentren (Kliniken und Praxen, siehe Autorenverzeichnis) ausgewertet werden.
Die Untersuchungen ergaben, dass die genetischen Varianten im Bereich der Genloci GDF7 und TBX5 nicht nur das Risiko für BE erhöhen, sondern auch für EAC. Dabei war die genetische Variation bei GDF7 sogar stärker mit EAC assoziiert als mit BE. Diese genetischen Varianten scheinen daher das Risiko gerade in den späteren Stadien der BE – EAC- Sequenz zu erhöhen.
Die Genvariante im Genlocus ALDH1A2 war dagegen eindeutig mit BE assoziiert, aber nicht mit EAC. Durch GWAS sind in den letzten 3 Jahren mindestens 7 genetische Risikovarianten für BE und EAC identifiziert worden, die über die Kodierung der Synthese von Proteinen/Enzymen gewisse biologische Funktionen beeinflussen (z.B. Funktion von Schleimhaut und Bindegewebe, letztere etwa mit einer Risikoerhöhung für Hiatushernie).

Weitere Untersuchungen zur Identifizierung von Risikogenen an großen Probandenkollektiven (und ggf. an Tiermodellen) sind erforderlich, um letztlich ein genetisches Risikomuster mit hinreichender Spezifität und somit praktischer Vorhersage-Tauglichkeit erstellen zu können.

 


 

Supportive evidence for FOXP1, BARX1, and FOXF1 as genetic risk loci for the development of esophageal adenocarcinoma. Cancer Med. 2015 Nov;4(11):1700-4.

Becker J, May A, Gerges C, Anders M, Veits L, Weise K, Czamara D, Lyros O, Manner H, Terheggen G, Venerito M, Noder T, Mayershofer R, Hofer JH, Karch HW, Ahlbrand CJ, Arras M, Hofer S, Mangold E, Heilmann Heimbach S, Heinrichs SK, Hess T, Kiesslich R, Izbicki JR, Hölscher AH, Bollschweiler E, Malfertheiner P, Lang H, Moehler M, Lorenz D, Müller-Myhsok B, Ott K, Schmidt T, Whiteman DC, Vaughan TL, Nöthen MM, Hackelsberger A, Schumacher B, Pech O, Vashist Y, Vieth M, Weismüller J, Neuhaus H, Rösch T, Ell C, Gockel I, Schumacher J.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4673997/pdf/cam40004-1700.pdf

 

Kommentar (Dr. med. J. Weismüller, Koblenz):

Neben anderen, exogenen Einflussfaktoren spielen genetische Faktoren offenbar eine Rolle bei der Entstehung von metaplastischer Barrett-Schleimhaut im Ösophagus.
Die verbesserten Möglichkeiten zur Untersuchung von Abweichungen der Genstruktur durch GWAS (genom-weite Assoziations-Studien) haben in den letzten Jahren zu einer Vielzahl von Erkenntnissen geführt, um genetische Risikofaktoren zu identifizieren. Hierbei spielen offenbar Gene eine besondere Rolle, die Transkriptions-Faktoren darstellen für die Proteinsynthese im Zusammenhang mit der Entwicklung verschiedener Körpergewebe, auch des Ösophagus.
Abweichungen in der genetischen Struktur (SNPs = single nucleotid polymorphismen) können letztlich zu einer Störung der zellulären Strukturen in verschiedenen Organen führen, auch können tumor-supprimierende Eigenschaften verloren gehen.

Durch GWAS konnten in dieser Studie an einer bei dieser Fragestellung erforderlichen großen Zahl von Patienten mit Adenokarzinom des Ösophagus (EAC) und einer gesunden Vergleichsgruppe drei Risikogene (FOXP1, BARX1 und FOXF1) identifiziert werden. Weitere Gene mit wahrscheinlicher, aber nicht genom-weit nachzuweisender Assoziation wurden identifiziert (in den Genregionen XRCC2 and GATA6).
Die Ergebnisse verschiedener Arbeitsgruppen – darunter des Barrett’s and Esophageal Adenocarcinoma Consortium (BEACON) – zeigen teilweise übereinstimmende Befunde hinsichtlich der identifizierten signifikanten Risikogene für Barrett-Ösophagus und EAC.

Langfristiges Ziel der verschiedenen Studien ist die Identifikation eines genetischen Risikoprofils, dass kohärent Patienten mit hohem Risiko vor allem für EAC identifiziert und damit – im Zusammenwirken mit spezialisiertem endoskopisch-bioptischem Screening und Surveillance (einschl. Immunhistochemie) – zur Krebsvermeidung bzw. Früherkennung des EAC und zur Stratifizierung der Therapie unter Praxisbedingungen beitragen kann.

 


 

Wnt/β-Catenin Signaling Activation beyond Robust Nuclear β-Catenin Accumulation in Nondysplastic Barrett’s Esophagus: Regulation via Dickkopf-1. Neoplasia. 2015 Jul;17(7):598-611

O Lyros, P Rafiee, L Nie, R Medda, N Jovanovic, M F Otterson, B Behmaram, Ι Gockel, A Mackinnon, and R Shaker

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4547437/

 

Kommentar (Dr. med. J. Weismüller, Koblenz):

β-Catenin ist ein Funktionsprotein, das beim Menschen durch das CTNNB1-Gen kodiert wird. Es handelt sich um ein multifunktionales Protein. Als Komponente der Cadherin-Familie spielt es unter anderem eine wesentliche Rolle in der Regulation von interzellulären Adhäsionsmechanismen. Darüber hinaus steuert es die Signalübertragung zu sog. Wnt-signal-pathways, die verschiedene intrazelluläre Signalwege aktivieren.
Die klinische Bedeutung dieser Signalpfade liegt in der Regulation von Gen-Transkriptionen, die über entsprechende Mutationen die Entstehung verschiedener Tumore begünstigen, darunter Mammakarzinom, Prostatakarzinom und Glioblastom, aber auch die familiäre adenomatöse Polypose des Kolons sowie Adenokarzinome des Ösophagus (EAC). Nukleäres β-Catenin wirkt als Transkriptions-Faktor und ist ein wichtiges funktionelle Proto-Onkogen.

Ziel der vorliegenden Studie war es zu klären, in wie weit der Wnt/β-Catenin-Signalweg bereits in einer frühen Phase der Barrett-Dysplasie-Karzinom-Sequenz wirksam wird, nämlich auf Barrett-Schleimhaut noch ohne dysplastische Veränderungen.

Es konnte gezeigt werden, dass trotz fehlender nukleärer β-Catenin-Akkumulation (die allgemein als Voraussetzung des proto-onkogenen Effektes angesehen wird) β-Catenin bereits in nicht-dysplastischer Barrett-Schleimhaut als Transkriptionsfaktor aktiviert ist und damit prinzipiell zur malignen Transformation beiträgt. Das Glykoprotein Dickopf-1 (DKK-1) antagonisiert den Wnt/β-Catenin-Signalweg in nicht-dysplastischem Barrett-Epithel, verliert diese Fähigkeit aber in den Zellen von Ösophagus-Adenokarzinomen (EAC).
Die vorliegende Arbeit beschreibt eine Störung der Transkription in einem speziellen Signalweg als Risikomechanismus für die Entstehung von EAC – jenseits von inzwischen nachgewiesenen primären genetischen Modifikationen bei EAC

 


 

Quality Management and Key Performance Indicators in Oncologic Esophageal Surgery.
Dig Dis Sci. 2015 Dec;60(12):3536-44.

Gockel I, Ahlbrand CJ, Arras M, Schreiber EM, Lang H.

http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs10620-015-3790-x

 


 

Risk and Complication Management in Esophageal Cancer Surgery: A Review of the Literature.
Thorac Cardiovasc Surg. 2015 Jan 28

Gockel I, Niebisch S, Ahlbrand CJ, Hoffmann C, Möhler M, Düber C, Lang H, Heid F.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25629461

 


 

Serum microRNA profiles as prognostic/predictive markers in the multimodality therapy of locally advanced adenocarcinomas of the gastroesophageal junction.
Int J Cancer. 2015 Jul 1;137(1):230-7.

Odenthal M, Hee J, Gockel I, Sisic L, Schmitz J, Stoecklein NH, Driemel C, Möhlendick B, Schmidt T, Knoefel WT, Lang H, Büttner R, Ott K, Vallböhmer D.

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ijc.29363/full

 

 


 

Endoscopic and surgical resection of T1a/T1b esophageal neoplasms: a systematic review.
World J Gastroenterol. 2013 Mar 7;19(9):1424-37.

Sgourakis G, Gockel I, Lang H.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3602502/

Literatur aus Forschung und Praxis

■ Owen RP, White MJ, … Lu X et al

Single cell RNA-seq reveals profound transcriptional similarity between Barrett’s oesophagus and oesophageal submucosal Glands.
Nat Commun. 2018 Oct 15;9(1):4261

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6189174/pdf/41467_2018_Article_6796.pdf

 


 

■ Yamamoto Y, Wang X, Bertrand D, Kern F, … Xian W et al

Mutational spectrum of Barrett’s stem cells suggests paths to initiation of a precancerous lesion.
Nat Commun. 2016; 7: 10380

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4735693/pdf/ncomms10380.pdf

 


 

■ Rhee H, Wang DH

Cellular Origins of Barrett’s Esophagus: the Search Continues.
Curr Gastroenterol Rep. 2018 Sep 26;20(11):51

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs11894-018-0657-2.pdf

 


 

■ Alcolea MP

Oesophageal Stem Cells and Cancer.
Adv Exp Med Biol. 2017; 1041: 187–206

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6126191/pdf/978-3-319-69194-7_Chapter_10.pdf

 

Kommentar:

Barrett-Ösophagus BE (Barrett-Metaplasie )ist wohl doch sehr viel komplexer als bisher angenommen. Bei aufwendiger histologischer und molekulargenetischer Aufarbeitung lässt sich eine deutliche Diversität von Zelltypen und molekulargenetischen Markern nachweisen. Die Ergebnisse lassen bezweifeln, ob die einfache pathogenetische Hypothese, dass refluxinduziert sich eine Entzündung entwickelt, die zum metaplastischen Ersatz von Plattenepithel durch intestinales Zylinderepithel führt, das vom Magen her sich nach oralwärts ausbreitet, eine hinreichende Erklärung für BE und dessen potentieller Weiterentwicklung zum Barrett-Karzinom ist.
Zunehmend gibt es Hinweise, dass ösophageale Stammzellen (“Barrett Stammzellen”) eine wichtige Rolle in der Entstehung von BE und Barrett Adenokarzinom (EAC) spielen könnten. Untersucht werden der Zusammenhang mit subepithelialen Drüsenzellen des Ösophagus, mit den  reparativen Vorgängen am gastro-ösophagealen Übergang (GEJ) als “Driver” der Stammzellaktivierung und mit der uneinheitlichen Mutationsfrequenz in prämaligenen Zellen in Barrett-Schleimhaut (IEN und Karzinom).
Die Forschungsergebnisse mit den neuen molekulargenetischen Verfahren könnten zur Tumorgenese des EAC wie auch zu onkologischen und präventiven Ansätzen wichtige Erkenntnisse erbringen.

 


 

■ Low-JM Davision et al

Lowgrade dysplasia diagnosis ratio and progression metrics identify variable Barrett’sesophagus
risk stratification proficiency in independent pathology practices
.
Gastrointest Gastrointestinal Endosc, 2018 Nov;88(5):807-815.e2

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0016510718327792?via%3Dihub

 

Kommentar:

Eine fundierte Studie, die noch einmal bestätigt, was eigentlich bekannt ist: die histologische Begutachtung von Barrett-Schleimhaut “mit Auffälligkeiten”  gehört in die Hände von spezialisierten Pathologen mit hoher Untersuchungsfrequenz.    Dies gilt insbesondere für die Diagnose “low grade dysplasia LGD / low grad intraepitheliale Neoplasie”.   Unter Pathologen mit mangelnder “Barrett-Erfahrung” wird dieses Diagnose zu häufig gestellt und führt damit oft zu unnötigen und kostspieligen und teils risikobelasteten Folgeuntersuchungen und -therapien.   Auch Pathologen lernen aus Langzeitverläufen, weshalb es sinnvoll ist, Biopsien desselben Patienten wiederholt dem selben (qualifizierten) Pathologen zuzusenden.
Die Regel, bei einer LGD-Diagnose zunächst über etwa 2-3 Monate mit PPI in hoher Dosierung zu therapieren und dann zu re-biopsieren, gilt nach wie vor.

 


 

■ Lal P, Thota PN

Cryotherapy in the management of premalignant and malignant conditions of the esophagus.
WorldJ Gastroenterol. 2018 Nov 21;24(43):4862-4869

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6250921/pdf/WJG-24-4862.pdf

 

Kommentar:

Übersicht über potentielle Einsatzmöglichkeiten der Kryotherapie im Ösophagus bei Dysplasien (IEN) und Frühkarzinomen. Insgesamt derzeit weiterhin eher zurückhaltende Bewertung im Vergleich zu RFA. Aber evtl. Einsatz als Reserveverfahren oder auch mit palliativer Indikation kommt in Betracht.

 


 

■ Ding YE, Li Y, He XK, Cheng A, Sun LM

Impact of Barrett’s esophagus surveillance on the prognosis of esophageal adenocarcinoma: A meta-analysis.
J Dig Dis. 2018 Oct 30. doi: 10.1111/1751-2980.12682. [Epub ahead of print]

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/1751-2980.12682

 

Kommentar :

Metaanalyse zum Thema “Surveillance bei Barrett-Ösophagus. Die Auswertung favorisiert eine Surveillance, räumt aber ein, dass es verlässliche, gut prospektive Studien mit einwandfreiem Studiendesign zu diesem Thema immer noch nicht gibt. 


 

■ RT Vollmer

A review of the incidence of adenocarcinoma detected during surveillance for Barrett’s esophagus.
Hum Pathol. 2018 Oct 5. pii:S0046-8177(18)30380-0. doi: 10.1016/j.humpath.2018.09.016. [Epub ahead of print]

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0046817718303800?via%3Dihub

 

Kommentar :

Eine weitere Metaanalyse mit Kommentar zu den verschiedenen , statistisch wirksamen Einflüssen bei Studien zur Barrett-Surveillance. Das derzeitige Surveillance-Konzept wird danach als nicht effektiv eingeschätzt.

 


 

■ Singh T, Sanaka MR, Thota PN

Endoscopic therapy for Barrett’s esophagus and early esophageal cancer: Where do we go from here?
World J Gastrointest Endosc. 2018 Sep 16;10(9):165-174


Kommentar :

Schöne Übersicht zu den aktuell verfügbaren endoskopischen Therapieverfahren bei Barrett-Ösophagus mit intraepithelialen Neoplasien und beim Barrett-Frühkarzinom.

 


 

■ Jankowski JAZ et al

Esomeprazole and aspirin in Barrett’s oesophagus (AspECT): a randomised factorial trial.
Lancet. 2018 Aug 4;392(10145):400-408

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6083438/


Kommentar :

Lange erwartete Langzeitstudie zu PPI und ASS zur Prophylaxe des Barrett-Adenokarzinoms. Vierarmige prospektive, nicht verblindete Studie über acht Jahre in GB und Kanada.

Ergebnis : eine Kombination von ASS (300 mg) und Esomeprazol (2×40 mg !) täglich reduziert bei dauerhafter Einnahme ab Jahr 9 nach Einnahmestart das Risiko für high grade Dysplasie/intraepitheliale Neoplasie, Barrett-Karzinom und Gesamtsterblichkeit gegenüber der Gruppe mit Einnahme von 20 mg Esoprazol einmal täglich. Prophylaktisch am wirksamsten ist die o.g. Kombination, die Einnahme der Einzelsubstanzen ist deutlich weniger wirksam.

Auch diese eindrucksvolle große Studie hat Limitationen, die in der Publikation benannt werden. Nicht klar ist, ob auch primär Barrett-Patienten ohne PPI-Einnahme (weil ohne Refluxbeschwerden) eingeschlossen wurden. Diese Gruppe scheint ja ein besonders hohes Krebsrisiko zu haben, weshalb der Einfluss einer Chemoprophylaxe hier von besonderem Interesse gewesen wäre (Subgruppen-Auswertung mit und ohne Chemoprophylaxe).

Auch ist unklar, wie häufig endoskopische Verfahren zum Einsatz kamen, um eine Karzinom-Entstehung zu vermeiden (endoskopische Kontrollen in Jahr 2,4,6,8 und 10).

Insgesamt erscheint eine allgemeine Empfehlung zur Chemoprophylaxe noch verfrüht; auf individueller Basis kann die Chemoprophylaxe evtl. aber Barrett-Patienten auf der Basis begründeter Daten angeboten werden, insbesondere als Zusatz von ASS, venn ohnehin schon PPI dauerhaft eingenommen werden. Diesen Spielraum lassen auch derzeitige Leitlinien, die aber vom routinemäßigen Einsatz von zwei Mal täglicher Einnahme eines PPI und von ASS abraten.

 


 

■ Michopoulos S

Critical appraisal of guidelines for screening and surveillance of Barrett’s esophagus.
Ann Transl Med. 2018 Jul;6(13):259. doi: 10.21037/atm.2018.05.09

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6064794/

 

Kommentar :

Traue keiner Leitlinie zu diesem Thema ? Zumindest ist Vorsicht angebracht, weil die Datenlage strikte Evidenzkriterien bei vielen  Aussagen in Leitlinien zu diesem Thema nicht erfüllt. Die zahlreichen verschiedenen  Studien kommen zu erheblich diskrepanten Aussagen und Empfehlungen.

 


 

■ H Chettouh, O Mowforth, N Galeano-Dalmau, N Bezawada, C Ross-Innes, S MacRae, I Debiram-Beecham, M O´Donovan, RC Fitzgerald

Methylation Panel is a diagnostic biomarker for Barrett´s oesophagus in endoscopic biopsies and non-endoscopic cytology specimens
Gut. 2017 Oct 30, Pii: gutjnl-2017-314026

http://gut.bmj.com/content/gutjnl/early/2017/10/30/gutjnl-2017-314026.full.pdf

 


 

■ A Katz-Summercorn, S Anand, S Ingledew, Y Huang, T Roberts, N Galeano-Dalmau, M O´Donovan, H Liu, RC Fitzgerald

Application of a multi-gene next-generation sequencing Panel to a non-invasive oesophageal cell-sampling device to Diagnose dysplastic Barrett´s oesphagus
J Pathol Clin Res. 2017 Aug 24;3(4):258-267

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5653927/

 

Kommentar :

Im Rahmen der retrospektiven BEST-2-Studie wurden zytologische Proben aus dem Ösophagus mittels Cytosponge gewonnen. Das Verfahren zielt darauf ab, eine Frühdiagnose dysplastischer und neoplastischer Veränderungen von Barrett-Schleimhaut ohne endoskopische Untersuchung zu erreichen und damit die Basis für ein Screening auf Barrett-Ösophagus (BE) und Barrett-Karzinom (EAC), Adenokarzinom des Ösophagus) erheblich zu verbreitern. Ein wesentliches Problem bei diesem technisch einfachen Verfahren ist die Identifikation von zellulären Markern, die mit hinreichender Spezifität Risikopatienten identifizieren, die dann endoskopiert und biopsiert werden müssen. Andererseits sollten solche Patienten mit hoher Sicherheit identifiziert werden, die kein erhöhtes Risiko haben und sich keiner speziellen Surveillance unterziehen müssen.
Hypermethylierung von Genen ist ein typischer mit Neoplasie-Risiko assoziierter molekulargenetischer Befund. In der vorliegenden STudie konnten 4 Methylierungs-Marker identifiziert werden, die zur Diagnostik von Barrett-Schleimhaut mit Cytosponge geeignet waren. Unter diesen zeigte TFPI2 eine besonders hohe Sensitivität und Spezifität, ein Gen, das allerdings auch beim EAC sehr häufig hypermethyliert ist.
Ein Vierer-Biomarker-Panel (FPI2, TRIST1, ZNF345 und ZNF569) könnte zukünftig zusammen mit der Auswertung auf trefoil factor 3 (TFF3), einem Mucin-assoziierten Peptid, geeignet sein, per Cytosponge-Screening gewonnene Ösophagus-Kardia-Zytologien hinsichtlich eines Nachweises von Barrett-Schleimhaut verlässlich auszuwerten.
Das Verfahren kann dann praxistauglich werden, wenn die immunhistochemische und molekulargenetische Auswertung automatisiert und verbilligt werden kann.
Die Arbeit von Katz Summercorn wertet im Wesentliche Ergebnisse aus der gleichen Cambridge-Kohorte aus. Hier geht es um ein praktikables Panel genetischer Marker in der Detektion dysplastischer Veränderungen der Barrett-Schleimhaut. Auch hier wurde das zytologische Material mit Cytosponge gewonnen.

 


 

■ H Siddiki, N Fukami

Endoscopic submucosal dissection for Barrett’s neoplasia: decade of experience, little progress. Is ESD thE-BEST for complex Barrett’s neoplasia ?
Gastrointest Endos. 2017 Oct;86(4):619-622  

http://www.giejournal.org/article/S0016-5107(17)32006-0/pdf

 

Kommentar :

Übersichtsartikel und Positionsbestimmung zur Bedeutung der ESD (endoskopische Submukosa-Dissektion) in der Therapie von Barrett-Neoplasien (high grade Dysplasien und Karzinomen der Mukosa ohne/mit Befall der obersten Submukosa-Schicht).

 


 

■ E Ness-Jensen, J Lagergren

Tobacco smoking, alcohol consumption and gastro-oesophageal reflux disease
Best Pract Res Clin Gastroenterol. 2017 Oct;31(5):501-508  

https://ac.els-cdn.com/S1521691817300999/1-s2.0-S1521691817300999-main.pdf?_tid=25fb9790-0b49-11e8-b5ad-00000aacb362&acdnat=1517927123_071293d73be08ceaaa16384e0f8c0bed

 

Kommentar :

Alle wesentlichen vorhandenen Daten zu dieser Fragestellung werden gezeigt. Die Datenlage ist komplexer und weniger sicher, als man vermutet. Randomisierte Studien scheiden natürlich aus ethischen Gründen aus; aber größere populations-basierte prospektive Behandlungsstudien wären wünschenswert. 

 


 

■ G Contino, TL Vaughan, D Whiteman, RC Fitzgerald  

The Evolving Genomic Landscape of Barrett‘s Esophagus and Esophageal Adenocarcinoma.
Gastroenterology. 2017 Sep;153(3):657-673

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0016508517359085?via%3Dihub

Kommentar :
Übersichtsartikel zu den Möglichkeiten der modernen Gendiagnostik in der Analyse der Progression vom Barrett-Ösophagus zur high grade Dysplasie und zum Barrett-Ösophaguskarzinom.  Praktisches Ziel ist eine frühzeitige Identifikation von Risikopatienten mit nachfolgender intensivierter Überwachung und früher Intervention.

 


 

■ M di Pietro, MI Canto, RC Fitzgerald

Endoscopic Management of Early Adenocarcinoma and Squamous Cell Carcinoma of the Esophagus: Screening, Diagnosis, and Therapy
Gastroenterology. 2017 Aug 2.

https://ac.els-cdn.com/S0016508517359735/1-s2.0-S0016508517359735-main.pdf?_tid=3725159c-0b48-11e8-9541-00000aacb35d&acdnat=1517926723_95b708e2514dde1cdd73abe3e4888123

 

Kommentar :

Kompakte Übersichtsarbeit zur Diagnostik und Therapie früher Tumorstadien von Ösophaguskarzinomen, speziell auch von high grade Dysplasien und Barrett-Frühkarzinomen. Auch auf die heute und in absehbarer Zukunft verfügbaren Screening-Verfahren einschl. Cytosponge wird detailliert eingegangen. Die technischen Fortschritte bei endoskopischer Diagnostik und Therapie werden präsentiert und bewertet.

 


 

■ S Wani, S Gaddam : Editorial

Best Practices in Surveillance of Barrett‘s Esophagus.             
Am J Gastroenterol. 2017 Jul;112(7):1056-1060

https://www.nature.com/articles/ajg2017117.pdf

 

Kommentar :
Übersichtsartikel mit Darstellung der Datenlage hinsichtlich einer sinnvollen Überwachungsstrategie bei Barrett-Ösophagus.

 


 

■ J Lagergren, E Smyth, D Cunningham, P Lagergren 

Oesophageal cancer.
Lancet publishes online June 22, 2017

https://ac.els-cdn.com/S0140673617314629/1-s2.0-S0140673617314629-main.pdf?_tid=c6892364-0b47-11e8-991c-00000aab0f27&acdnat=1517926534_51c176f1592dfa3bbbc27c6efa6cd53c


Kommentar :

State of Art-Publikation, welche die aktuelle Situation und Entwicklung beim Ösophaguskarzinom in Diagnostik und Therapie umfassend darstellt. Basislektüre zu diesem Thema.

 


 

■ G Lipman, RJ Haidry

Endoscopic management of Barrett‘s and early oesophageal neoplasia.
Frontline Gastroenterol. 2017 Apr;8(2):138-142  

http://fg.bmj.com/content/flgastro/8/2/138.full.pdf

 

Kommentar :

Übersichtsartikel mit Standortbestimmung zur endoskopischen Therapie und Überwachung bei Barrett-Ösophagus und frühen Barrett-Neoplasien.

 


 

■ P Vennalaganti, V Kanakadandi, JR Goldblum, SC Mathur, DT Patil, GJ Offerhaus, SL Meijer, M Vieth, RD Odze, S Shreyas, S Parasa, N Gupta, A Repici, A Bansal, T Mohammad, P Sharma

Discordance Among Pathologists in the United States and Europe in Diagnosis of Low-Grade Dysplasia for Patients With Barrett´s Esophagus. 
Gastroenterology. 2017 Feb;152(3):564-570  

https://www.pubmed.de/gateway/nlm-pubmed/

 

Kommentar :

“Und es bewegt sich nichts…”.
Das alte Problem der histopathologischen Diagnose und Bewertung von low grade Dysplasien (LGD) von Barrett-Schleimhaut existiert unverändert. In dieser Arbeit werden die Probleme nochmals beschrieben, auch speziell das “Interobserver-Non-Agreement” europäischer und amerikanischer Pathologen.
Unmittelbar ergeben sich zwei Schlussfolgerungen:
1. Studien mit Auswertungen zur LGD sind durch diese Unsicherheiten von vorne herein kompromittiert
2. Überwachungskonzepte basierend auf einer histologischen LGD-Diagnose sind nicht fundiert; es besteht dringender Bedarf für die Entwicklung verlässlicherer Marker für eine LGD als Risikokonstellation mit konsequent notwendiger Surveillance.

Siehe hierzu z.B.:

 


■ DM Karamchandani et al:

Increasing diagnostic accuracy to grade dysplasia in Barrett´s esophagus using an immunohistochemical panel for CDX2, p120ctn, C-Myc and Jagged1. 
Diagnostic Pathology (2016)11:23  
http://dx.doi.org/10.1016/S2468-1253(16)30118-2

 


■ CS Ross-Innes, H Chettouh, A Achilleos,……. RC Fitzgerald, on behalf of the  BEST2 study

Risk stratification of Barrett’s oesophagus using a non-endoscopic sampling method coupled with a biomarker panel: a cohort study.
Lancet Gastroenterol Hepatol. Nov 2016. Online first.

http://dx.doi.org/10.1016/S2468-1253(16)30118-2

 

Kommentar:

Zahlreiche Studien aus den letzten Jahre haben zu umfangreichen Erkenntnissen zu molekulargenetischen Veränderungen auf dem Weg vom Barrett-Ösophagus (BE) zum Adenokarzinom (EAC) des Ösophagus geführt. Letztlich ist das Ziel all dieser Untersuchungen ein genetisches Marker-Panel, mit dem frühzeitig eine Stratifikation möglich wird zwischen Barrett-Patienten mit geringem und hohem Krebsrisiko. Ein solches Screening könnte deutlich effektiver und kostengünstiger sein als die derzeit als Standard durchgeführte endoskopische Screening- und Surveillance-Strategie mit ihren bezogen auf die Barrett-Gesamtpopulation enttäuschenden Ergebnissen hinsichtlich ihres positiven Vorhersagewertes (PPV) zur EAC-Entstehung.

Eine interessante, kostengünstige und patientenfreundliche Alternative zur Endoskopie ist das Cytosponge-Verfahren. Hierbei schluckt der Patient / die Patientin ein Gelatinekapsel an einem Faden; die Kapsel löst sich im Magen auf und setzt einen etwa 3 cm messenden, an der Oberfläche rauen Schwamm frei. Beim Rückzug dieses Schwämmchens werden Epithelzellen abgeschilfert und sammeln sich in dem Schwamm. Auf diese Weise wird aussagekräftiges zytologisches Material gewonnen und kann umgehend untersucht werden.

Als sinnvolle diagnostische Parameter haben sich neben einfacher morphologisch-zytologischer Untersuchung (zelluläre Atypien / Dysplasien) molekulare Marker erwiesen (in dieser Studie P53 und Aurora Kinase A Nachweis; in früheren Studien TFF 3 (Trefoil Factor 3)).
Zieht man zusätzlich einfache klinische Parameter heran (Alter, Adipositas, Länge des Barrett-Segments (bei einer Index-Gastroskopie ermittelt)), kann man eine Unterteilung in drei Risiko-Kategorien vornehmen (low, moderate, high).
Etwa ein Drittel aller Probanden fiel in der vorliegenden BEST2-Studie in die Kategorie “low risk”. In dieser Gruppe war der PPV 100 % hinsichtlich des tatsächlichen Fehlens dysplastischer Veränderungen (kontrolliert durch Gastroskopie mit Biopsie). Auch in der high risk Gruppe war der PPV hinsichtlich high grade Dysplasie oder EAC hoch (87 %).
Die Hälfte aller Probanden gehörte zur “moderate risk” Gruppe. Hier war die diagnostische Unsicherheit am höchsten – mit immerhin 14 % der Probanden mit high grade Dyslasie.

Zusammenfassend erscheint das Cytosponge-Verfahren aussichtsreich, was die Translation von molekulargenetischen Markern in eine klinische Routine-Diagnostik bei der Barrett-Surveillance betrifft. Bestechende Vorzüge sind die Einfachheit des Verfahrens (Dauer der Prozedur : 10 Minuten), die minimale Belastung der Probanden und der im Vergleich zur Endoskopie extrem niedrige Preis – mit damit bestehender Möglichkeit einer breiten Anwendung in der Bevölkerung.

Cytosponge könnte dazu beitragen, die endoskopische-histologische Barrett-Überwachung auf die wirklich risikobelasteten Patienten zu beschränken.

 

Der Artikel enthält Literaturverweise hinsichtlich zahlreicher weiterer Studien zur Cytosponge-Diagnostik.

siehe auch:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23041329

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25634542

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20833740

 


 

■ M Secrier, X Li, N de Silva, MD Eldridge, G Contino, J Bornschein, S MacRae, N Grehan, M O´Donovan, A Miremadi, TP Yang, L Bower, H Chettouh, J Crawte, N Galeano-Dalmau, A Grabowska, J Saunders, T Underwood, N Waddell, AP Barbour, B Nutzinger, A Achilleos, PA Edwards, AG Lynch, S Tavaré, RC Fitzgerald, Oesophageal Cancer Clinical and Molecular Stratification (OCCAMS) Consortium:

Mutational signatures in esophageal adenocarcinoma define etiologically distinct subgroups with therapeutic relevance.
Nat Genet. 2016 Oct;48(10):1131-41

https://www.pubmed.de/gateway/nlm-pubmed/

 

Kommentar :

Es wurden 3 molekulare Subtypen des EAC identifiziert mit unterschiedlichen Mutations-Signaturen. Die Identifikation dieser Subtypen könnte Bedeutung erlangen bei der Entwicklung etwa von “tailored” Chemotherapien bei neoadjuvantem und adjuvantem Einsatz zur Verbesserung des jeweiligen Ansprechens auf die Chemotherapie – in Analogie zu entsprechenden Fortschritten bei anderen Tumorkrankheiten.

■ NJ Shaheen, GW Falk, PG Iver, LB Gerson : ACG Clinical Guideline:

 


 

Diagnosis and Management of Barrett’s Esophagus.
Am J Gastroenterol 2016;111:30-50

http://gi.org/wp-content/uploads/2015/11/ACG-2015-Barretts-Esophagus-Guideline.pdf

 

Kommentar:

Aktuelle umfassende amerikanische Leitlinie zu allen klinischen Aspekten des Barrett-Ösophagus.

 


 

■ Aaron P Thrift , Lesley A Anderson, Liam J Murray et al

Nonsteroidal Anti-Inflammatory Drug Use is Not Associated With Reduced Risk of Barrett’s Esophagus.

Am J Gastroenterol 2016; 111:1528–1535

Kommentar:

Zahlreiche Studien zeigen, dass die langzeitige Einnahme von nicht steroidalen Antiphlogistika (NSAR/NSAID) das Risiko der Entstehung von Adenokarzinomen des Ösophagus (EAC) aus Barrett-Schleimhaut reduziert.
Die vorliegende Untersuchung (Metaanalyse) deutet darauf hin, dass der antineoplastische Effekt dieser Medikamente im Entwicklungsschritt von Barrett-Schleimhaut zum Karzinom lokalisiert ist. Die Entstehung von Barrett-Schleimhaut selbst als Metaplasie wird in ihrer Häufigkeit dagegen nicht durch NSAR-Einnahme beeinflusst. 

Die Entstehung von Barrett-Schleimhaut wird somit offenbar nicht durch entzündliche und neoplastische Signalwege getriggert, die dem COX-2 / Prostaglandin-Stoffwechsel zuzuordnen sind.

Siehe hierzu auch unten stehend:

Liao LM, Vaughan TL, Corley DA et al.

Nonsteroidal anti-inflammatory drug use reduces risk of adenocarcinomas of the esophagus and esophagogastric junction in a pooled analysis.

Gastroenterology 2012;142:442–452

 


 

■ Eleanor M Gregson, Jan Bornschein and Rebecca C Fitzgerald

Genetic progression of Barrett’s oesophagus to oesophageal adenocarcinoma.
British Journal of Cancer(2016) 115, 403–410

 

Kommentar :

Aus Cambridge kommt diese hervorragende Zusammenfassung des Erkenntnisstandes zur Genetik der Barrett-Tumorgenese mit sehr guten grafischen Darstellungen.

Die Forschung zu diesem Thema hat den Zweck, durch eine Identifikation genetischer Risikofaktoren solche Probanden frühzeitig zu identifizieren, die bei nachgewiesener Barrett-Schleimhaut ein hohes Risiko für eine Entwicklung zum Ösophagus-Adenokarzinom (EAC) tragen. Der bisherige Surveillance-Standard mit endoskopisch-bioptischen Kontrolluntersuchungen ist hinsichtlich einer Reduktion des EAC auf Populationsebene nicht hinreichend effektiv. Durch Einsatz genetischer Marker oder Marker-Panels könnte hier eine Verbesserung erreicht werden. Dieses Vorhaben wird aber dadurch erschwert, dass die Tumorentwicklung vom Barrett-Ösophagus über low-grade und high-grade-Dysplasien zum EAC mit einer Vielzahl von Keimbahn- und somatischen Mutationen (als Einzel-Mutationen vom SNP bis zu komplexen Störungen der Nucleotid-Struktur und -Replikation) assoziiert ist, die die Realisierung eines praxistauglichen Risiko-Panels von genetischen Aberrationen bisher verhindert haben. Lediglich der immunhistochemische Nachweis einer Mutation des TP53-Tumorsuppressor-Gens mit Funktionsverlust oder Überexpression hat bisher die “Praxisreife” als Marker für eine Krebsentwicklung aus dysplastischer Barrett-Schleimhaut erreicht.

Auch die Basierung der genetischen Untersuchungen zur Barrett-EAC-Entwicklung auf endoskopische gewonnenen Biopsien limitiert deren Aussage aufgrund eines sampling bias. Hier könnte die Gewinnung von besser repräsentativem Zellmaterial z.B. per Cytosponge eine Alternative sein.

Auch durch eine umfassende Literaturübersicht erfüllt die Arbeit die Kriterien einer “state of the art”-Übersicht zum Thema Barrett-Ösophagus und EAC, Stand 2016.

 


 

■ EM El-Omar, J Jankowski

Genetics of Barrett ’ s: The Bigger, the Better.
Am J Gastroenterol 2012;107:1342-45

http://www.nature.com/ajg/journal/v107/n9/abs/ajg2012144a.html

Kommentar :

Übersicht über die verschiedenen Verfahren zur Identifizierung genetischer Risiken des Barrett-Ösophagus. Die Arbeit beschreibt die Situation noch vor der Erstellung der ersten großen GWAS.

 


 

■ Su Z, Gay LJ, Strange A, et al.

Common variants at the MHC locus and at chromosome 16q24.1 predispose to Barrett’s esophagus.
Nat Genet. 2012;44:1131–1136.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3459818/

 


 

■ Matthew F. Buas, Lynn Onstad, David M. Levine, Harvey A. Risch, Wong-Ho Chow, Geoffrey Liu, Rebecca C. Fitzgerald, Leslie Bernstein, Weimin Ye, Nigel C. Bird, Yvonne Romero, Alan G. Casson, Douglas A. Corley, Nicholas J. Shaheen, Anna H. Wu, Marilie D. Gammon, Brian J. Reid, Laura J. Hardie, Ulrike Peters, David C. Whiteman, Thomas L. Vaughan

MiRNA-Related SNPs and Risk of Esophageal Adenocarcinoma and Barrett’s Esophagus: Post Genome-Wide Association Analysis in the BEACON Consortium
PLoSOne. 2015 Jun 3;10(6):e0128617

http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0128617

Kommentar:

Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass MicroRNAs (miRNAs) – kleine, nicht codierende RNAs mit einer Funktion in der post-transkriptionalen Genregulation – als Onkogene oder Tumorsuppressoren in einer Vielzahl von Geweben agieren und dass eine Regulationsstörung der miRNAs das Krebsrisiko erhöhen kann. Diese umfangreiche Studie auf Basis der Beacon-Biodatenbank analysierte SNPs (single nucleotide polymorphisms), die mit der Biogenese oder der biologischen Aktivität von miRNAs in Verbindung stehen. Die Auswertung erbrachte keine signifikante Assoziation der gefundenen genetischen Aberrationen mit dem Risiko für die der Entstehung von Ösophagus-Adenokarzinomen (EAC) aus Barrett-Schleimhaut. Insgesamt bleibt die Bedeutung von miRNA und Profilen der miRNA-Expression für die Entstehung von EAC aus Barrett-Ösophagus als Vorläufer bisher unklar, da in der Literatur widersprüchliche Ergebnisse existieren.

 


 

■ Palles C, Chegwidden L, Li X, et al.

Polymorphisms near TBX5 and GDF7 are associated with increased risk for Barrett’s esophagus.
Gastroenterology. 2015;148:367–378.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4315134/

 


 

■ Dura P, van Veen EM, Salomon J, et al.

Barrett associated MHC and FOXF1 variants also increase esophageal carcinoma risk.
Int J Cancer. 2013;133:1751–1755.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23504527

Kommentar :

GWAS zur Identifizierung zu Genvarianten mit Assoziation zu einem erhöhten Risiko für Barrett-Ösophagus und/oder Adenokarzinom des Ösophagus. 

 


 

■ M Wilke, M Rathmeyer, M Schenker, W Schepp

Endoscopic mucosal resection (EMR) followed by radiofrequency ablation (RFA) in neoplastic Barrett’s esophagus or Barrett early cancer is also economically superior to sole radical endoscopic resection.
Z Gastroenterol 2016; 54(5):416-20.

https://www.thieme-connect.com/DOI/DOI?10.1055/s-0042-103246

Kommentar :

Verglichen werden endoskopische Therapieverfahren bei Barrett-Dysplasie und Barrett-Frühkarzinom : auf der einen Seite eine “radikale” endoskopische Resektionsbehandlung in mehreren Schritten (SRER) mit dem Ziel einer vollständigen Elimination neoplastischer Schleimhaut; auf der anderen Seite die Kombination (EMR+RFA) aus EMR (endoskopischer Mucosa-Resektion) und RFA (Radiofrequenzablation).
Sowohl hinsichtlich der (hohen) Gesamtkosten wie auch hinsichtlich der therapeutischen Sicherheit (geringere Komplikationshäufigkeit) schneidet in dieser Studie die EMR+RFA-Therapie deutlich besser ab als SRER.
Die vollständige Elimination neoplastischer Schleimhaut ist mit beiden Verfahren mit gleicher Effektivität möglich.

 


 

■ RF Souza, G Freschi et al.

Barrett’s esophagus: genetic and cell changes.
Ann. N.Y. Acad. Sci. 1232 (2011) 18–35

https://deepblue.lib.umich.edu/bitstream/handle/2027.42/86844/j.1749-6632.2011.06043.x.pdf

Kommentar:

Zusammenfassung wesentlicher Aspekte zu Genetik, Epigenetik, Transkription, Signalwegen und möglichen Biomarkern bei Barrett-Ösophagus. Gut lesbar durch Frage-Antwort-Struktur.

 


 

■ Weronica E. Ek, David M. Levine, Mauro D’Amato, Nancy L. Pedersen, Patrik K. E. Magnusson, Francesca Bresso, Lynn E. Onstad, Peter T. Schmidt, Hans Törnblom, Helena Nordenstedt, Yvonne Romero (on behalf of the Mayo Clinic Esophageal Adenocarcinoma and Barrett’s Esophagus Registry Consortium), Wong-Ho Chow, Liam J. Murray, Marilie D. Gammon, Geoffrey Liu, Leslie Bernstein, Alan G. Casson, Harvey A. Risch, Nicholas J. Shaheen, Nigel C. Bird, Brian J. Reid, Douglas A. Corley, Laura J. Hardie, Weimin Ye, Anna H. Wu, Marco Zucchelli, Tim D. Spector, Pirro Hysi, Thomas L. Vaughan, David C. Whiteman, Stuart MacGregor; on behalf of the BEACON study investigators

Germline Genetic contributions to risk for esophageal Adenocarcinoma, Barrett’s esophagus, and Gastroesophageal reflux.
J Natl Cancer Inst (2013) 105 (22): 1711-1718

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3833931/

Kommentar:
Eine weitere Arbeit aus der BEACON-Studiengruppe. Nachgewiesen durch GWAS wurden zahlreiche gentische Variationen mit hoher Übereinstimmung bei Barrett-Ösophagus (BE) und Adenokarzinom des Ösophagus (EAC). Keine Auffälligkeiten fanden sich bei gastro-ösophagealer Refluxkrankheit (GERD) ohne Barrett-Metaplasie bei allerdings limitierter Auswertbarkeit.
Untersucht wurde Material von etwa 6.000 Probanden, gefunden und in die Analyse einbezogen wurden fast 600.000 SNP (single nucleotide polymorphisms) als Äquivalent genetischer Variationen.
Neben vielen weiteren (exogenen) Faktoren wird die Entstehung von BE und EAC offenbar durch eine Vielzahl von genetischen Veränderungen beeinflusst – mit hoher Überlappung zwischen BE und EAC.
Beide Erkrankungen zeigen eine gewisse Erblichkeit, die jedoch polygen-additiv vermittelt wird.  Praxisrelevante genetische Risikomuster werden in der Arbeit nicht dargestellt.

 


■ F Macias-Garcia, JE Dominguez-Munoz

Update on management of Barrett’s esophagus.
World J Gastrointest Pharmacol Ther. 2016 May 6; 7(2): 227–234.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4848245/

Kommentar :

Kurze praxisrelevante Darstellung der Diagnostik, Therapie und Überwachung bei Barrett-Ösophagus auf dem Stand des Jahres 2016 mit Behandlungs-Algorithmen.

 


■ Ashley H. Davis-Yadley, MD, Kevin G. Neill, MD, Mokenge P. Malafa, MD, and Luis R. Peña, MD

Advances in the Endoscopic Diagnosis of Barrett Esophagus.
Cancer Contr January 2016, Vol. 23, No. 1

https://www.moffitt.org/File%20Library/Main%20Nav/Research%20and%20Clinical%20Trials/Cancer%20Control%20Journal/v23n1/67.pdf

Kommentar :

Aktuelle Darstellung der Möglichkeiten endoskopisch-bioptischer und endo-mikroskopischer  Diagnostik. Bestimmung einfacher molekularer Biomarker in Biopsien zur Abschätzung des Karzinomrisikos nach Markierung per Autofluoreszenz.

 


■ J Neu

Long-Barrett-Ösophagus – Dokumentation bei Beratungsresistenz.
Niedersächs Ärztebl 3:2014

http://www.norddeutsche-schlichtungsstelle.de/long-barrett-oesophagus-dokumentation-bei-beratungsresistenz/

Kommentar :

Bei der endoskopischen Überwachung eines Barrett-Ösophagus sollte der Gastroenterologe dem zuweisenden Arzt unbedingt mitteilen, nach welchem Zeitintervall die nächste endoskopische Kontrolle erforderlich ist. Die Empfehlung richtet sich nach den gültigen Leitlinien und nach dem histologischen Befund (Dysplasie / intraepitheliale Neoplasie), kann aber auch davon abweichen. So sollte bei einem makroskopisch suspekten, aber histologisch negativen Befund ein relativ kurzes Kontrollintervall vereinbart werden.

Für den endoskopierenden Arzt ist es im Falle eines Rechtsstreites wichtig, dass er diese Regeln beachtet und seine Empfehlung zur Überwachung auch dokumentiert hat.
Es empfiehlt sich auch, das praxisübliche Vorgehen im Ordner zum praxisinternen Qualitätsmanagement (QM) zu dokumentieren.

Darüber hinaus empfiehlt sich ein praxisinternes Recall-System, über das der betr. Patient nach Ablauf des Kontrollintervalles identifiziert und telefonisch zur Kontrolluntersuchung aufgefordert werden kann. Wird die Untersuchung abgelehnt, sollte dies unbedingt dokumentiert werden.

 


■ Labenz, Joachim; Koop, Herbert; Tannapfel, Andrea; Kiesslich, Ralf; Hölscher, Arnulf H.

Epidemiologie, Diagnostik und Therapie des Barrett-Karzinoms.
Dtsch Arztebl Int 2015; 112(13): 224-34

http://www.aerzteblatt.de/archiv/168936

Kommentar :

Prägnante Übersichtsarbeit nach Art eines Lernprogrammes – verfasst in Kooperation von Gastroenterologen, Viszeralchirurgen und Pathologen. Die Arbeit enthält sehr gut lesbare diagnostische und therapeutische Algorithmen und hervorragende endoskopische Bilder.
Insgesamt eine aktuelle zusammenfassende Bestandsaufnahme zu Früherkennung und Management des Barrett-Karzinoms – als tägliche Orientierungshilfe für jeden Gastroenterologen und Viszeralchirurgen sehr zu empfehlen !

 


■ Romy E Verbeek, Max Leenders, Fiebo J W ten Kate, Richard van Hillegersberg, Frank P Vleggaar, Jantine W P M van Baal, Martijn G H van Oijen and Peter D Siersema

Surveillance of Barrett’s Esophagus and Mortality from Esophageal Adenocarcinoma: A Population-Based Cohort Study.
Am J Gastroenterol 109, 1215-1222

http://www.nature.com/ajg/journal/v109/n8/full/ajg2014156a.html?WT.ec_id=AJG-201408

 Kommentar :

Große retrospektive populationsbasierte niederländische Studie (fast 10.000 Patienten mit Barrett-Karzinom = Ösophagus -Adenokarzinom) über einen 10-Jahres-Zeitraum. Im Ergebnis ist eine strukturierte Überwachung bei Barrett-Ösophagus nur dann effektiv, wenn die endoskopischen Kontrollintervalle strikt eingehalten werden. Dann können offenbar 2- und 5-Jahres-Mortalität durch Barrett-Karzinome im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne Surveillance reduziert und unter Überwachung diagnostizierte Karzinome in einem früheren Tumorstadium erkannt werden.

Die bekannten Probleme, die einem generalisierten Früherkennungsprogramm (vergleichbar der Früherkennung von Darmkrebs) bei Barrett-Ösophagus bisher entgegen stehen, bestätigen sich auch in dieser Studie : bei mehr als 90 % aller Patienten mit Barrett-Karzinom wurde nie zuvor ein Barrett-Ösophagus diagnostiziert ! Und eine Kosteneffektivität eines Surveillance-Programmes für das Barrett-Karzinom ist bisher nicht nachgewiesen worden, unter anderem weil die Gesamt-Sterblichkeit nicht signifikant beeinflusst wird.

 


■ A Behrens, O Pech, F Graupe, A May, D Lorenz, C Ell

Barrett-Karzinom der Speiseröhre.
Dtsch Arztebl Int 2011; 108(18): 313-9

http://www.aerzteblatt.de/archiv/887377

Kommentar :

Übersichtsartikel zum Thema ” Barrett-Karzinom ” aus dem deutschen Endoskopie-Zentrum mit der größten Erfahrung zur endoskopischen Resektion von mukosalen Barrett-Karzinomen und umfangreichem, wissenschaftlich auch hinsichtlich Langzeitdaten ausgewertetem Patientenregister.

 


 

■ Buas MF, He Q, Johnson LG, Onstad L, Levine DM, Thrift AP, Gharahkhani P, Palles C, Lagergren J, Fitzgerald RC, Ye W, Caldas C, Bird NC, Shaheen NJ, Bernstein L, Gammon MD, Wu AH, Hardie LJ, Pharoah PD, Liu G, Iyer P, Corley DA, Risch HA, Chow WH, Prenen H, Chegwidden L, Love S, Attwood S, Moayyedi P, MacDonald D, Harrison R, Watson P, Barr H, deCaestecker J, Tomlinson I, Jankowski J, Whiteman DC, MacGregor S, Vaughan TL, Madeleine MM.

Germline variation in inflammation-related pathways and risk of Barrett’s oesophagus and oesophageal adenocarcinoma.
Gut. 2016 Aug 2. [Epub ahead of print]

Kommentar:

Zunehmend wird deutlich, dass in der Entstehung von Barrett-Ösophagus (BE) und Adenokarzinom des Ösophagus (OAC) entzündliche Prozesse eine wesentliche Rolle spielen. Ziel der vorliegenden Studie war es, an einem großen Patientenkollektiv zu untersuchen, ob genetische Variationen im Bereich der Entzündungsreaktionen zum Risiko für BE und OAC beitragen.

Dazu wurden Daten einer GWAS (genom-weite Assoziations-Studie) von 2515 Patienten mit OAC, 3295 Patienten mit BE und 3207 Kontrollen ausgewertet. Speziell untersucht wurden fünf für Entzündung bedeutende Signalwege, hierunter der COX (cyclo-oxygenase)-Signalweg. In diesem Signalweg waren Genvarianten mit einem erhöhten Risiko für BE assoziiert. Darüber hinaus waren vier (BE) bzw. drei Genvarianten für MGST-1 (microsomale glutathion-S-transferase-1) mit einem erhöhten Risiko für BE bzw. OAC assoziiert.

Die Studie weist auf eine Rolle von genetischen Varianten im Eicosanoid-Metabolismus (Leukotriene, COX/Prostaglandine: PGE2) und im Glutathion-Metabolismus (MGST1) als Risikofaktoren für BE und OAC hin.

Zum Praxisbezug : ob eine Chemoprävention des OAC mit (evtl. kombinierten) Medikamenten, die an verschiedener Stelle in Entzündungs-Signalwegen intervenieren (Aspirin und COX-2 Inhibitoren; Statine), praktikabel und erfolgreich sein kann, ist bisher nur tierexperimentell rel. gut belegt. Große epidemiologische Studien weisen aber seit langem auf einen protektiven Effekt von Aspirin hin. Die Zukunft wird zeigen, ob ein sinnvoller kombinierter Einsatz von Chemoprävention und endoskopischer Überwachung und Intervention das Risiko für OAC reduzieren kann.

 


 

■ Liao LM; Vaughan TL; Corley DA; Cook MB; Casson AG; Kamangar F; Abnet CC; Risch HA; Giffen C; Freedman ND; Chow WH; Sadeghi S; Pandeya N; Whiteman DC; Murray LJ; Bernstein L; Gammon MD; Wu AH

Nonsteroidal anti-inflammatory drug use reduces risk of adenocarcinomas of the esophagus and esophagogastric junction in a pooled analysis.
Gastroenterology 2012; 142(3): 442-452

https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT00357682

 

Kommentar :

Auswertung gepoolter Daten aus 6 retrospektiven Studien, die innerhalb des BEACON Konsortiums erstellt wurden. Die Stratifikation der Daten ist etwas unübersichtlich. Die Aufteilung in Adenokarzinome des Ösophagus und junktionale ösophago-gastrale Karzinome weist schon auf gewisse Probleme bei der Datenselektion hin. Insgesamt ergeben sich deutliche Hinweise auf eine chemoprotektive Wirkung der Einnahme von NSAR einschl. ASS, detaillierte Aussagen sind darüber hinaus aber kaum möglich (erfordert die protektive Wirkung eine gewisse Dauer, Dosierung und Kontinuität der Einnahme ? Ist ASS wirksamer als Standard-NSAR usw.).
Auch diese Daten sind also nicht “hart” genug, um eine populations- oder Risikogruppen-gezielte Empfehlung zur Einnahme von NSAR zur Chemoprophylaxe von Adenokarzinomen des Ösophagus zu rechtfertigen (auch unter dem Aspekt einer Nutzen-Risiko-Abwägung).

Die erwünschten randomisierten Studien zu dieser Fragestellung sind enorm aufwändig – aber machbar.
Abzuwarten bleibt das Ergebnis der in Oxford initiierten AspECT-Studie, die auf einen Zeitraum von 10 Jahren angelegt ist und über diese Zeit beobachtet, ob die Entwicklung von Barrett-Ösophagus
 (BE) zum Adenokarzinom des Ösophagus (EAC) durch niedrig oder hoch dosiertes Esomeprazol allein oder in einer Kombination mit 300 mg ASS beeinflusst werden kann.

 


 

■ Andrew M. Kaz, William M. Grady, Matthew D. Stachler, and Adam J. Bass

Genetic and Epigenetic Alterations in Barrett’s Esophagus and Esophageal Adenocarcinoma.
Gastroenterol Clin North Am. 2015 June ; 44(2): 473–489

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4449457/

 

Kommentar :

Übersicht über genetische und epigenetische Einflüsse bei der Entstehung von Adenokarzinomen des Ösophagus aus Barrett-Ösophagus. Praktisch einsetzbare genetische und epigenetische Marker zur frühzeitigen Risikostratifikation sind bisher noch Zukunftsmusik. Die Forschungsaktivitäten zu dieser Materie sind derzeit noch hochgradig verzweigt und noch stärkere Anstrengungen in Richtung translationaler Medizin erscheinen erforderlich.

Siehe hierzu auch :

 


 

■ Abrams JA, Appelman HD, Beer DG, et al.

Barrett’s Esophagus Translational Research Network (BETRNet): The pivotal role of multi-institutional collaboration in esophageal adenocarcinoma research.
Gastroenterology. 2014;146(7):1586-1590

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4224108/

 


 

■ K Visrodia, S Singh, R Krishnamoorthi, KK Wang, PG Iyer, DA Katzka

Systematic review with meta-analysis: prevalent vs. incident oesophageal adenocarcinoma and high-grade dysplasia in Barrett’s oesophagus.
Aliment Pharmacol Ther 2016 Aug 26. [Epub ahead of print]

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27562355


Kommentar :

Metaanalyse von insgesamt 14 Studien. Auswertung nicht ganz unproblematisch bei nicht homogenen Studienkollektiven (wie oft bei Metaanalysen), insgesamt Studienansatz und Datenauswertung aber doch nachvollziehbar (Limitierungen werden ausführlich diskutiert).

Bestätigt wird eine von allen Endoskopikern mit langjähriger umfangreicher Endoskopie-Praxis gemachte Erfahrung : der Großteil der Barrett-Karzinome (Adenokarzinome des Ösophagus EAC) wird nicht im Rahmen von Surveillance-Untersuchungen gefunden, sondern als Erstdiagnose bei der ersten Gastroskopie eines Patienten erhoben. Diese Gruppe wird in der Studie als “prävalente EACs” bezeichnet; gemeint sind hiermit EAC, die bei der ersten Gastroskopie nachgewiesen werden bzw. innerhalb eines Jahres nach der ersten Gastroskopie (mit Wahrscheinlichkeit also auch bereits bei der ersten Gastroskopie existent waren).

Im Gesamtkollektiv waren jeweils etwa 80% der Fälle von EAC und high grade Dysplasie offenbar prävalent und nur etwa 20% wurden im Rahmen der endoskopischen Überwachungs-Untersuchungen diagnostiziert.

Das ist natürlich ein desolates Ergebnis hinsichtlich der Effektivität der endoskopischen Überwachung bei Patienten mit Barrett-Ösophagus (BE).
Es zeigt die dringende Notwendigkeit, neue Verfahren zu entwickeln, die eine frühe Risikoselektion von Patienten mit EAC-Risiko ermöglichen. Denkbar ist langfristig ein Screening-Risiko-Score aus anamnestischen (familiäre Belastung) und klinischen Daten (Reflux; aber ein erheblicherTeil der Patienten mit EAC hat nie relevante Refluxbeschwerden !), Zytologie ohne Endoskopie (Cytosponge), immunhistologischen und genetischen Markern. Vor allem bleibt zu definieren, bei welchem Kollektiv von Patienten der Einsatz eines Screening-Programmes sinnvoll ist
.

Genetische Marker könnten eine wichtige Rolle spielen bei der frühzeitigen Identifikation von Risikopatienten für EAC, die dann gezielt einer endoskopischen Diagnostik und Überwachung zugeführt werden könnten.

 


 

■ J H Kauppila, J Lagergren

The surgical management of esophago-gastric junctional cancer.
Surgical Oncology 25 (2016), 394-400

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0960740416301153


Kommentar :

Wissenschaftliche Evidenz fehlt nach wie vor weitgehend hinsichtlich der Langzeit-Ergebnisse (Überleben; Lebensqualität) der chirurgischen Therapie des Ösophaguskarzinoms. Es fehlen randomisierte prospektive Studien mit einer definierten, in einem geeigneten Studiendesign abbildbaren Fragestellung. Vielfach werden unter dem Begriff “Ösophaguskarzinom” ganz verschiedene Krankheitsentitäten mit primär unterschiedlicher Prognose zusammengefasst und “wissenschaftlich (retrospektiv) ausgewertet” – mit von vorn herein limitiertem Erkenntnisgewinn. In vielen Arbeiten werden Adenokarzinome des Ösophagus (EAC) und esophago-gastrale Übergangskarzinome (EGJC = esophago-gastral-junction-cancer oder AEG = adenocarcinoma of the esophago-gastric junction) unterschieden, wobei es sich aber bei letzteren z.B. in der verbreiteten Einteilung nach Siewert (Classification of adenocarcinoma of the oesophagogastric junction. Br J Surg 1998; 85: 1457-1459 ; J Surg Oncol 2005;90: 139-145) beim Typ I um EAC handelt, beim Typ III um proximale Magenkarzinome. Diese offensichtlich biologisch unterschiedlichen Tumorentitäten werden heute mit verschiedenen Operationsverfahren – und in frühen Stadien des EAC auch endoskopisch – behandelt. Dabei ist individuell nach Tumortyp, Lokalisation und Patientenkriterien (Komorbidität) zu entscheiden : Ösophagektomie oder Gastrektomie ? Transhiatale oder transthorakale Ösophagektomie ? Limitierte oder extensive Lymphadenektomie ? Offener oder minimal invasiver Zugang ? Endoskopische oder chirurgische Therapie bei Frühstadien von EGJC (Daten pro endoskopischer Resektion in westlichen Ländern existieren fast ausschließlich zu T1a und T1b(sm1)- Adenokarzinomen des Ösophagus; in Japan limitierte Erfahrungen mit Kardia-/Magen-EGJ-Karzinomen). Große prospektive randomisierte Studien sind dringend wünschenswert, um die Ergebnisse der verschiedenen chirurgischen Therapieverfahren – eingebunden in ein multimodales Therapiekonzept – wissenschaftlich gesichert zu objektivieren.

 


 

■ S L Picardo, S G Maher, J N O’Sullivan, J V Reynolds

Barrett’s to Oesophageal Cancer Sequence: A Model of Inflammatory-Driven Upper Gastrointestinal Cancer.
Dig Surg 2012;29:251–260

http://www.karger.com/Article/Pdf/341498


Kommentar:

Übersichtliche Darstellung der Entzündungsgenese des Barrett-Ösophagus mit potentieller Weiterentwicklung zum Barrett-Adenokarzinom (EAC). Immunzellen mit Zytokin-Produktion, sog. small molecules, extrazelluläre Matrix, Hypoxie und Angiogenese sind die entscheidenden Teilfaktoren (inflammatory microenvironment) in der Entzündungs – Karzinogenese – Kaskade.

International Barrett’s and Esophageal Adenocarcinoma Consortium “Beacon”

Webseite

 


 

 

Barrett´s Oesophagus Campaign

Webseite

 


 

S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Plattenepithelkarzinome und Adenokarzinome des Ösophagus

Langversion-PDF

Kurzversion-PDF

 


 

Videos zu Wnt-Signalwegen

Youtube-Video 1

Youtube-Video 2

Youtube-Video 3


 

Gastrointestinale Refluxkrankheit (GERD) / Fundoplicatio

Webseite Uniklinikum Leipzig

Wikipedia-Beitrag

Kontakt:

Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie Universitätsklinikum Leipzig AöR
Studienbüro: Nicole Kreuser, B.Sc.
Liebigstr. 20, 04103 Leipzig
Telefon: +49-341-97 12590
Email: barrett@medizin.uni-leipzig.de